Sieger-Entwurf des Internationalen Kunstwettbewerbs Kölner Dom steht fest

Die Künstlerin Andrea Büttner (*1972 in Stuttgart) hat einstimmig den vom Domkapitel des Kölner Doms ausgeschriebenen Kunstwettbewerb gewonnen. Das Domkapitel setzt sich seit einigen Jahren mit der Frage nach dem angemessenen Umgang mit offenkundig judenfeindlichen Artefakten im Kölner Dom auseinander und hatte im August 2023 einen Wettbewerb für ein künstlerisches Werk, das sich damit thematisch auseinandersetzt ausgelobt.
Andrea Büttner hat einen Entwurf für ein Wandgemälde an der Stirnwand der Marienkapelle des Kölner Domes eingereicht, das über dem Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner (1442) realisiert werden soll. Die geplante Wandmalerei soll das Steinfundament des Thoraschreins aus der ehemaligen mittelalterlichen Synagoge Kölns in Originalgröße zeigen (Länge ca. 211 cm, Höhe ca. 85 cm). Der Altar der Stadtpatrone ist ursprünglich im 15. Jhd. für die Ratskapelle St. Maria in Jerusalem am historischen Rathaus geschaffen worden, welche 1424 nach der Ausweisung der jüdischen Bevölkerung anstelle der Synagoge entstand. Der Altar stand auf dem erweiterten Fundament des Thoraschreins in der ehemaligen Synagoge des mittelalterlichen jüdischen Viertels Kölns und ersetzte den Schrein nach dessen Beschädigung im Pogrom 1349 und der Umwidmung der Synagoge zur Ratskapelle.
Büttners Entwurf stellt eine Verbindung zwischen der Geschichte des jüdischen Quartiers und dem Dom her. “Die inhaltliche Verbindung von Verkündigungsdarstellung und Thora, von Flügelaltar und Schrein ist sowohl theologisch als auch formal bedeutsam: In beiden Fällen wird etwas Heiliges verborgen, geöffnet und geschlossen, mit Vorhängen versehen.” heißt es in der Pressemeldung.
Jurymitglied Dr. Stefan Kraus, Leiter des Kolumba Kunstmuseums des Erzbistums Köln begründet die Entscheidung für die Künstlerin mit den Worten:
,,Die für die Marienkapelle des Kölner Domes geplante Wandmalerei fügt sich harmonisch in den Kirchenraum ein und verbindet sich organisch mit der Architektur, ohne als eigenständiges Objekt Raum zu greifen. lndem die schlanken Dienste der gotischen Wandgliederung über das Bild ,hinweglaufen’, wird auf der einen Seite die Gestaltung in seiner Plastizität erhalten und sogar betont, auf der anderen Seite bewirkt diese Überschneidung eine räumliche Tiefenwirkung für das Wandbild, die dem Betrachtenden einen zeitlosen Raum vorführt, in dem auch das Abbild des steinernen Fragmentes des Thoraschreins der diesseitigen Welt entrückt wird.”
Andrea Büttner lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist Professorin für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München.
Dazu in Band 291 erschienen: