Retrospektive Yu Hong: Die Welt von Saha im Long Museum in Shanghai
Yu Hong, einer der renommiertesten Künstlerinnen in China, 1966 geboren, ist derzeit im Long Museum in Shanghai eine umfangreiche Retrospektive gewidmet. Sie wurde von Jérôme Sans kuratiert und macht ihr ganzheitliches Konzept anschaulich. Als konzeptuelle Malerin gehörte sie zu der Generation der Bewegung der Neorealisten, die, sich vom Sozialistischen Realismus abwendend, die Subjektivität als Ausgangspunkt ihrer Kunst nahm. Die Ausstellung verdeutlicht ihren ganzheitlichen Ansatz am Beispiel von ausgewählten Werkgruppen und ganz neuen, eigens für diese Retrospektive konzipierten Gemälden und bezieht auch ihre Auseinandersetzung mit den digitalen interaktiven Möglichkeiten der Verräumlichung von Malerei. Ihre Kunst führt auf poetische Weise die Widersprüche zwischen dem Allgemeinen und dem Individuellen, der kollektiven Geschichte und dem darin eingebetteten individuellen Leben vor Augen. Ihren Bildserien gehen Recherchen in Form von Gesprächen mit den Modellen voraus, will sie sich doch den Phänomenen und Themen möglichst unmittelbar annähern. Dabei entwickelt sie eine vom Surrealismus inspirierte, einzigartige, sich laufend verändernde, halb fiktive, halb reale Bildsprache. Der auf den Buddhismus verweisende Titel der Ausstellung “The Word of Saha”, ein Synonym für „menschliche Resilienz“, ist für Yu von großer Bedeutung. Er verweist auf „die zu erlebende Welt“ und den Drang, trotz aller Widrigkeiten zu leben und die großen Wunden des Lebens zu überwinden. Dabei greift sie auf persönliche und sozialgeschichtliche Erinnerungen zurück und lässt die letzten 30 Jahre der chinesischen Geschichte, also den Übergang von einer kommunistischen zu einer globalisierten, rasant wachsenden Gesellschaft Revue passieren. Im Mittelpunkt steht der Verlauf der menschlichen Existenz von der Geburt bis zum Tod. Die Ausstellung ist dort bis zum 5.5.2019 zu sehen. (HNJ). http://thelongmuseum.org/en/exhibition/overview/faagxs
|
Dazu in Band 206 erschienen: