Karikaturen-Ausstellung
Fanatische Eiferer mit ihren blindwütigen Attacken und die vorauseilende Selbstzensur mancher Ausstellungs- oder Blattmacher haben uns im Jahr 2015 eine neue Zensurdebatte beschert. Heute geht es dabei nicht so sehr um staatliche Repressionen wie in der Restaurationsphase des 19. Jh, als in Frankreich ab 1830 die Zeitschrift „La Caricature“ erschien und ab 1832 auch das Konkurrenzblatt „Charivari“, sondern vielfach auch um Konformitätszwänge. So fühlte sich z.B. die Künstlerin Sabine Reyer zensiert, als die Finanzbehörde Hamburg zwei Arbeiten aus ihrer Ausstellung dort aussortierte mit dem Argument, die Exponate besäßen einen „zu starken politischen/religiösen Inhalt“. Insofern hat die Ausstellung „Karikatur -Presse -Freiheit“ in der Staatsgalerie Stuttgart höchste Aktualität (bis 20. Sept. 2015). Im Grafik-Kabinett sind ausgewählte Blätter der französischen Karikaturisten Honoré Daumier, J.J. Grandville u.a. zu sehen. Dabei greift die Staatsgalerie auf ihren Bestand von „La Caricature“ zurück.