Bayern: Irritationen um Raubkunst
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Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sind, wie Recherchen der SZ nahelegen, offenbar im Besitz von etwa 200 Kunstwerken, die intern als Raubkunst markiert wurden.
Das lege einen interne nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Liste der Provinienzforschung nahe, heißt es. Auf dieser haben 200 Objekte einen roten Status (Raubkunst) und 800 weitere sind als orange (Raubkunstverdacht) gekennzeichnet, darunter Bilder von Picasso, Klee und Beckmann. Dies wurde, so die SZ, aber nicht bekannt gemacht und auch die Erb*innen der Werke nicht kontaktiert. Nur 376 Werke seien auf Lost Art eingestellt worden, viele „rote“ Werke würden ganz fehlen. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen wehrten sich: „Wir weisen die Darstellungen der Süddeutschen Zeitung aufs schärfste zurück. Sie sind fehlerhaft und entsprechen nicht der Wahrheit.” Die geleakte Liste sei ein „reines Arbeitsmittel“, das sich ständig verändere, heißt es. Auch die Erben seien stets informiert worden.
Doch seitens der Anwälte von Nachfahren jüdischer Sammler oder Kunsthändler werden „Vertuschungsvorwürfe“ laut. „Für die Erben jüdischer Kunsthändler ist es zermürbend, die von den Nationalsozialisten geraubten Kunstwerke zurückzubekommen“, befindet auch n-tv. Das Problem seien aber nicht in erster Linie die Staatsgemäldesammlungen, sondern das Kunstministerium, das versuche, seine Verantwortung an die Staatsgemäldesammlungen zu delegieren, findet Markus Stötzel, der unter anderem die Nachfahr*innen des Galeristen Alfred Flechtheim vertritt. „Diese Bilder gehören den Erben, nicht Bayerns Museen“, kommentierte dazu Jörg Häntzschel in der Süddeutschen Zeitung.
Dazu in Band 291 erschienen: