Band 245, 2017, Titel: Kunst lernen?, S. 146

Central Saint Martins, University of the Arts, London

Die Pädagogik der Idee
von Stephanie Dieckvoss

Central Saint Martins, eines der sechs Colleges der University of the Arts, London, befindet sich seit 2011 in einem Neubau, im Herzen eines der größten Stadterneuerungsgebiete der letzten Jahre in London. Es liegt nördlich des Zentrums, gleich hinter den beiden Bahnhöfen St. Pancras International und King’s Cross Station1. Auf dem Campus, der teils renovierter Altbau, teils funktionsgerechter Neubau ist, suchen seit nunmehr fünf Jahren über 4.000 Studenten und um die 1.000 Lehrkräfte und andere Angestellte Platz zum Lernen, Lehren und Arbeiten. Denn schon kurz nach dem Umzug platzte die renommierte Kunsthochschule trotz Effizienzschaffung bei der Gebäudenutzung gleich wieder aus allen Nähten. Auf die Frage, was er sich als Leiter der Hochschule am meisten wünsche, antwortet der Architekt Jeremy Till, der seit 2012 für Central Saint Martins verantwortlich ist, kurz und knapp: „Platz“.2  

Im Neubau in die Zukunft

Die Fachbereiche Kunst, Mode, Kultur und Enterprise über Schmuck und Textil, Produkt, Keramik und Industriedesign, Kommunikationsdesign, Architektur, Drama und Performance bis hin zu den sogenannten Grundlagenkursen („Foundation“) teilen sich das Gebäude, das zwei Vorlesungssäle, zahlreiche Seminarräume, Werkstätten und Ateliers, Tanz- und Theaterstudios, ein Theater, eine Galerie, eine Kantine, ein Café sowie eine Bar beherbergt. Vor allem Ateliers und Seminarräume flankieren über drei Stockwerke wie zwei Riegel die zentrale Straße, die als überdachtes Atrium fungiert und die ganze Länge des Gebäudes einnimmt. Als sozialer Raum gedacht, ist sie im Sommer zu warm und im Winter zu kalt – und manchen auch einfach zu groß. Vom Glasdach wie das Mittelschiff einer Kathedrale überwölbt, unterteilt sie das lange Gebäude und hat genau den freien Raum, der den Ateliers und Werkstätten fehlt. Während sie von überall sichtbar ist, verstecken sich die meisten Fachbereiche in ihren eigenen Gebäudeabteilungen mit Seminarräumen, Büros und Werkstätten, die man nur entdeckt, wenn man sich auf gezielte Entdeckungsreise begibt. Viele kleinere Bereiche, die Maschinen und Werkstätten brauchen, wie Textil, Schmuck und Keramik, sind in den Seitenflügeln untergebracht, Modedesign beherrscht den dritten Stock – all diese Fachbereiche sind nur durch kleine, unscheinbare Türen begehbar, und nicht zu allen gewährt die elektronische Zugangskarte Einlass. Während Till immer wieder die organischen Verbindungen zwischen den Disziplinen lobt, die durch die Architektur gefördert würden, lamentieren Studenten nach wie vor über den Silocharakter der einzelnen Fachbereiche, wie zum Beispiel Håkon Lillegraven, ein Bachelorstudent und angehender Kurator aus Norwegen.  

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Autor
Stephanie Dieckvoss

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Grayson Perry

* 1960, Chelmsford, Grossbritanien

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W. R. Lethaby

* 1857; † 1931

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* 1957

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