Band 245, 2017, Titel: Kunst lernen?, S. 90

Lasalle College of the Arts, Singapur

Ausbildung für die Zukunft

von Stephanie Dieckvoss

Eine Annäherung an das LASALLE College of the Arts in Singapur wirft einen schnell und konkret in die Zukunft. Nicht nur, weil sich diese Kunsthochschule in einer der reichsten Städte der Welt befindet, sondern auch, weil sich die Architektur des 2008 erbauten McNally Campus mit seiner ultramodernen Architektur aus Glas und Stahl in eine internationale Architektursprache einordnet, in der Geschichte und Tradition auf den ersten Blick keinen Platz haben. Auch die Hochschule selbst betont in allen Werbebroschüren die Zukunftsorientiertheit der Schule, die die Studenten auf eine erfolgreiche Berufslaufbahn vorbereitet.  

Der Tiger Südostasiens

Als Insel- und Stadtstaat (von ungefähr der Größe Hamburgs) ist Singapur heute eines der ökonomischen Zentren im südostasiatischen Raum, das auch im kulturellen Bereich große Ambitionen hat, in der Region eine Führungsrolle einzunehmen. Als ehemalige englische Kronkolonie hat Singapur, das erst seit dem frühen 19. Jahrhundert besiedelt wurde, eine viel kürzere Geschichte als umliegende Staaten wie Malaysia, die Philippinen oder Indonesien. Erst seit 1965 ist Singapur ein eigener Staat, der sich aus moderaten Anfängen zu einem der vier sogenannten asiatischen Tigerstaaten entwickelt hat.  

In einem gesellschaftlichen und politischen Kontext, in dem Wohlstand, Erfolg und Technik eine große Rolle spielen, kann man sich vorstellen, dass die Künste keinen einfachen Stand haben. Davon merkt man jedoch auf den ersten Blick nichts. Pulsierend und dynamisch nimmt sich der Neubau der Kunsthochschule aus. Den Entwurf lieferte das ortsansässige Architekturbüro RSP Architects. Als lebendige Skulptur will das Gebäude verstanden werden, es macht die „Black Box“ der Kreativität transparent, indem es sie nach außen trägt – und gleichzeitig die Umwelt einlädt. Umhüllt von einer schwarzen Haut erscheint das Innere fast schwerelos. Gänge, Fenster und sogar Brücken verbinden die verschiedenen Fachrichtungen des Campus in einer offenen Struktur, in der keine einheitlichen Richtungen vorgegeben sind. Der Campus funktioniert eher wie ein Netzwerk, in dem sich Bereiche praktisch und symbolisch auf unterschiedlichen Ebenen treffen und kreuzen. Die Offenheit der Architektur verbildlicht die interdisziplinäre Ausrichtung von LASSALLE, in der Studenten zum Beispiel im Bereich der Bildenden Kunst frei zwischen Medien hin- und herwechseln können. Laut Internetauftritt der Hochschule soll die Kreativität wie Lava durch ein Tal fließen und alle Studenten berühren.  

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Autor
Stephanie Dieckvoss

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