Band 244, 2017, Galerien: Köln, Düsseldorf, S. 340

Auf der Insel der Gesegneten

Über einen status quo der DC Open

von Isabel Hufschmidt

Das verflixte siebte Jahr hat es ja schon überstanden. Die Ehe hält noch. Nun: Das Format der Saisoneröffnung der Düsseldorfer und Kölner Galerien, die stets am ersten Septemberwochenende stattfindet, kurz: DC Open, beging im September 2016 die achte Ausgabe. So war es doch mal Zeit nachzufragen, was die Tandemveranstaltung sportlichen Namens der beiden rheinischen Zaunkönige tatsächlich bewirkt, gestärkt, verwirklicht, ja kurz: gebracht hat. Wie sehen es die Akteure, sprich die Galeristen, von denen das Format ausgeht, die es ins Leben gerufen haben? Elf davon – Thomas Rehbein, Sven Ahrens, Marietta Clages, Markus Lüttgen, Philipp von Rosen auf Kölner Seite; Hans Mayer, Linn Lühn, Michael Cosar, Thomas W. Rieger von der Konrad Fischer Galerie, Rupert Pfab, Sies + Höke aus Düsseldorf – haben ihre Einschätzung dazu gegeben, inwieweit DC Open ihre persönlichen und die gemeinsam verfolgten Ziele eingelöst hat, dies auch mit Blick auf Berlin und eine internationale Ambition. Heuer waren es 18 Galerien in Düsseldorf und 34 in Köln, die mitmachten, Zahl fluktuierend. Nachdem sich bis 2015 anmeldete, wer teilnehmen wollte – und bezüglich der sich auf nunmehr EUR 1.500 belaufenden Teilnahmegebühr konnte – gab es nun, für 2016, eine Auswahl durch das neu gegründete Advisory Board, dem Thomas Rehbein, Gisela Capitain, Michael Cosar, Linn Lühn, Anke Schmidt, Alexander Sies, Max Mayer und Markus Lüttgen angehören. Das „Warum“ erläutert die Düsseldorfer Galeristin Linn Lühn: „Wir befinden uns in einem Bereich, wo wir selber ausgeschlossen werden und auch andere ausschließen müssen. Wir haben bemerkt, dass die Qualität sehr unterschiedlich ist – was den internationalen Ansatz einer Galerie, die Pflege einer Website oder auch einfach nur die Öffnungszeiten angeht. Besucher von DC Open treffen auf unterschiedliche Niveaus. Um eine gewisse Kontrolle zu haben, hat das Board somit gefordert, dass jede Galerie zunächst einen Vorschlag machen soll, was sie während DC Open zeigen möchte. So wird eine Auswahl an Galerien präsentiert, die das Rheinland als Ganzes darstellen, und verhindert, dass im Verzeichnis von DC Open ‚Ausstellung auf Anfrage’ steht.“  

Aber der Reihe nach. Ein paar Eckdaten zur Gründung von DC Open für die, die es nicht wissen: 2008 starteten die Kölner eine Saisoneröffnung, die „Inspiration“ für das Duett 2009. Als GbR eingerichtet, anfangs vertreten durch Michael Cosar, Thomas Rehbein, Linn Lühn und Wolfgang Gmyrek, wurde DC Open von Beginn an organisatorisch durch das Kölner Büro DC unterstützt, das Robert Danch führt, verstärkt durch Ljiljana Radlovic vom Düsseldorfer „Parallel“. 2015 übernahmen beide die Geschäftsführung. Für das Design der Veranstaltung kam 2010 die Kölner Agentur Meiré und Meiré mit ins Boot. Finanzspritzen gibt es von den Städten, aus Länderhand, von Sponsoren aus der freien Wirtschaft wie dem Kulturbereich. Soweit so gut. Was passiert intern? In Feedback-Treffen der Galeristen im Nachhall jeden Eröffnungswochenendes soll Lob und Kritik auf den Tisch kommen. Kinderkrankheiten trafen insbesondere die häufig als „unsichtbar“ monierte Außenwerbung sowie das organisatorische wie kulinarische Niveau des samstäglichen Dinners. Wenn es drauf ankommt, dann aber wohl weniger aufs Dinner. Vielmehr trollt man sich aufgrund der breit gefächerten Präsentationen der Galerien zu einem wichtigen Saisontermin in die Region, der ermöglicht, an einem Wochenende viel und konzentriert zu sehen. Die Einsetzung eines Advisory Boards „versicherte“ somit auch nach außen eine professionelle Selbstkontrolle entgegen einer Qualitätsachterbahn. Überdies wird die Veranstaltung, so die einhellige Meinung, die sich auch leicht in der Print- und Onlinewelt überprüfen lässt, von der Presselandschaft stets zuverlässig abgedeckt. Linn Lühn, die 2011 ihren Standort von Köln nach Düsseldorf verlegte, fasst es so zusammen: „Das Problem ist, dass der ursprüngliche Grundgedanke, sich einmal im Jahr im Rheinland zusammenzutun, gemeinsam zu eröffnen und damit über die Grenzen NRWs hinaus Leute zu erreichen, immer wieder versandet. Kollegen bemängeln, dass der Linsensalat beim VIP-Dinner nicht gut war, dass dieser oder jener Institutionsleiter nicht aufgetaucht ist usw. Das kann alles richtig sein. Ich möchte das nicht vom Tisch fegen. Doch man muss sich darüber im Klarem sein, dass man mit einem bescheidenen Einsatz von EUR 1.500 plus Mwst. pro Galerie nur bedingt etwas erreichen kann. Der Vergleich mit dem Gallery Weekend in Berlin ist ermüdend. Dort investieren die Kollegen das Vier- bis Fünffache des Betrages. Um es kurz zu fassen: es gibt immer Verbesserungsbedarf, das sollte eine konstruktive Herausforderung sein, doch das DC Open-Wochenende gehört neben der Art Cologne zu den wichtigsten Terminen im Jahr hier im Rheinland. Ich würde immer wieder dafür plädieren, diese Tradition weiter zu führen. Denn wir erreichen die Leute, auch international, auch die überregionale Presse. Die Süddeutsche und FAZ schreiben. Wir haben mit der art kooperiert, jetzt mit Monopol. Um diese Berichterstattung ist es sonst, vor allem seitens der Lokalzeitungen, schlecht bestellt.“  

Soweit zur Struktur und eine erste Meinung. Aber warum dieser Zusammenschluss? Statistisch am häufigsten angegebener Grund: Das Schreckgespenst Berlin, genauer: die Rheinlandflucht von Galerien – besonders aus Köln – nach Berlin, die wachsende Sorge um die rheinische Galerienszene, die bröckelte und an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig war. Es bröckelte. Aber vielleicht, wenn man genauer hinsieht, wohl weniger an der Substanz als am narzisstischen Image, das sich lange kultivierte und zur sagenumwobenen „Schockstarre“ führte, als die Völkerwanderung nach Berlin einsetzte. Viele Probleme sind eben hausgemacht. Und die plötzliche (?) Stasis resultierte wohl auch aus jener Verhaftung in der Vergangenheit einer gern als bohème und wild erinnerten Zeit, als Künstler, Sammler wie Galeristen berühmt-berüchtigte Lokale und Kneipen frequentierten, dabei die besten Geschäfte machten und sowieso „alle“ im Rheinland waren. Eine klischeehafte Anekdote, die Thomas Rehbein à propos Ära Kippenberger anführt: „Der feierte bekanntlich exzessiv im Grünen Eck. Viele waren dabei und zu diesen Gelegenheiten wurde nicht selten auch Kunst gekauft. Das war eine andere Zeit. An Eröffnungen standen manchmal Leute 200 m auf der Straße vor der Galerie. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen, was da alles unterwegs war. Schlangen vor den Galerien.“ Der Kern dessen: Im Rheinland sind die Sammler, im Rheinland ist die Galeriendichte profund. Sven Ahrens von der Kölner Galerie Hammelehle und Ahrens: „Vor allem das private Sammeln von Kunst und die daraus erfolgende nachhaltige Wertschätzung für den künstlerischen Diskurs der Zeit gehört zur DNA dieser Region.“ Also war die Berlinangst grundlos? Denn so mancher Abwanderer kam dann doch wieder zurück oder gab im Wilden Osten ganz auf. Kein Grund zur Angst – das kann man immer im Nachhinein sagen, wenn eine kritische Phase überstanden scheint. Die diffuse Angst festzustecken, setzt eben auch den Eros frei, das Ruder umzureißen, wenn das Alte nicht mehr funktioniert. Und vor allem, wenn die Geschichte, wie toll es doch alles war, allein nicht mehr zieht. Fakt war und ist: die Region des Rheinlands allein – auch wenn sie alle Vorteile einer zentralen geographischen Lage, gern und einhellig als Besonderheit hervorgehoben, bietet – gereicht sich nicht einfach so selbst zum Glück. Sie muss genutzt werden, und besonders auch die verschiedenen Galeristengenerationen nebeneinander sind ein wichtiges Potential – die, die 40 Jahre installiert sind und jene, die seit zwei Jahren dabei sind.  

Nachdem die Galerien in Düsseldorf und Köln stets jeweils eine Herbsteröffnung für sich organisierten, schloss man sich 2009 – im Hintergrund waberte dazumal auch die Bankenkrise – zusammen. Thomas Rehbein erinnert es so: „Erstmal: „Das Rheinland hat nie verloren. Köln und Düsseldorf haben ein bisschen geschlafen. Das war der Grund, warum DC Open gegründet worden ist. Und sowieso: wenn man sich anschaut, wer in Berlin kauft: das sind auch dort viele rheinische Sammler. Ohne die rheinischen Sammler wäre Berlin eben auch nicht das, was es heute ist. Und deshalb war die Angst unbegründet. Es war vor allem ein Fehlen in der Kommunikation ins Rheinland. In der Zeit, als DC Open gegründet wurde, haben alle von international usw. geredet, man hat nach Berlin, London, New York kommuniziert. Aber nicht ins Rheinland, wo die Sammler sitzen, die in Berlin kaufen. Das Rheinland war in einer Duldungsstarre, hat dagestanden und geschaut, wie alle nach Berlin gegangen sind. Man wartete auf etwas, man war verwöhnt durch die 80er Jahre, die 90er Jahre, wo man national und international gut verkauft hat. Und man hat gedacht: Gut, wir müssen nichts tun. Das Kommunizieren war komplett eingeschlafen. Die Art Cologne war der Leuchtturm, aber es fehlte ein zweiter Reiz. Das war der Grund, DC Open zu gründen. Es fing ja in Köln an, dann kam Düsseldorf hinzu. Und heute hat man auch erkannt: Mit Berlin schafft man zudem eine Strahlkraft der deutschen Kunstszene, und nicht nur einzelner Regionen. Ohne Berlin hätte es im Rheinland vielleicht gar nicht diesen Motor wieder gegeben.“ Sein Kollege und Mitbegründer von DC Open, Michael Cosar, bekräftigt: „Sachlage war ja vor acht Jahren: da haben die Kölner und die Düsseldorfer jeweils ihre Veranstaltung gemacht. Irgendwann kam es zu einer Begegnung mit Thomas Rehbein, und wir waren der Meinung, dass diese zwei nah beieinander liegenden Städte so unterschiedlich wahrgenommen werden. Wir müssen das irgendwie bündeln. Und natürlich war das auch vor dem Hintergrund, dass Berlin immer stärker wurde. Da mussten wir im Rheinland was gegensetzen. Und deshalb haben wir DC Open damals gegründet, sind zusammengegangen, und das hat eine ganze Menge gebracht. So ein Galerienwochenende generiert eine hohe Aufmerksamkeit, das zeigt auch der Pressespiegel. In punkto Medienpräsenz ist DC Open mittlerweile eine feste Größe in den überregionalen Feuilletons, das haben wir sonst nur zur Art Cologne.“ Die Kölner Kollegin Marietta Clages erklärt in diesem Zusammenhang unumwunden: „Es ist gut, dass DC Open vor acht Jahren eine Schockstarre beendet hat, die einige Jahre nach dem Wegzug einiger Galerien aus dem Rheinland in Richtung Berlin anhielt. Nun ist das Rheinland wieder erstarkt, Galerien siedeln sich hier neu an und profitieren von der traditionellen Sammlerschaft hier und in den angrenzenden Ländern.“ Stephanie und Hans Mayer aus Düsseldorf ergänzen diese Sicht und fassen zusammen, was DC Open in ihren Augen angestoßen und beeinflusst hat: „Niemand von uns hier im Rheinland dachte jemals, wir würden eine ähnliche „Kunst-Völkerwanderung“ in Gang setzen, wie sie in Berlin mit großem Erfolg und erheblichem finanziellen Aufwand jeweils zum Gallery Weekend stattfindet. Vielmehr haben wir uns erhofft, dass das Rheinland eine interessante, sehr differenzierte, aber natürlich nicht auf diesem Massenniveau stattfindende Alternative bieten kann, anknüpfend an seine alte Kunsttradition. Das gelingt zum Glück von Jahr zu Jahr mehr, nicht rasant in der Entwicklung, aber durchaus persistent, und das besonders über das ganze Jahr gesehen in der Kombination mit einer wieder erheblich verbesserten, gestärkten Art Cologne. Es hat uns auf jeden Fall wieder mehr Aufmerksamkeit und Stabilität gebracht. So kann man auch ein wiedererstarktes allgemeines internationales Interesse feststellen, das sich glücklicherweise nicht nur punktuell festmacht. Vor allem ist das Interesse aus London grösser geworden, und insgesamt ist die junge Galerien- und Künstlerszene wieder sehr viel vitaler. Gleichzeitig dazu haben sich jüngere Sammler mit erfrischend wenig Hype-Affinität entwickelt.“ Um hier anzuschließen: Das Städte-Teamwork soll also das Bild einer potenten – und durchaus international kapablen – Entität wirken lassen; die Feste Rheinland. Eine Selbstversicherung auch gegen den Ruch, die rheinische Szene sei zu lokal im eigenen Filz verhaftet. Tatsächlich zu rheinisch? „Trop Rhénan“: das quittierte schon 1958 der Düsseldorfer Galerist Jean-Pierre Wilhelm auf die Frage, wie er die Düsseldorfer Kunstszene einschätze. C.O. Paeffgen griff diesen Kommentar in einem Porträt des Galeristen 1995 wie ein Menetekel wieder auf. Michael Cosar ganz deutlich zum „Rheinisch-Regionalen“: „DC Open ist eine regional geprägte Veranstaltung. Regional heißt aber nicht provinziell. Das Rheinland mit seiner einmaligen Konzentration an zeitgenössischen Museen, seinen Künstlern und privaten Sammlungen steht da im internationalen Vergleich sehr gut da. Wir treffen hier auf eine Vielzahl von Sammlern, die sich sehr kenntnisreich, teilweise schon seit Generationen, mit Kunst beschäftigen: Die starke rheinische Kunstszene, und da sehe ich Parallelen zur Art Cologne, ist das starke Fundament von DC Open.“ Der Benelux erweist sich in diesem Zusammenhang als nahe und getreue Verlängerung, insbesondere die Verbindung zu Brüssel mit seiner immer dichter werdenden Künstler- und Galerienszene. Thomas Rehbein betreibt dort seit drei Jahren eine Dependance: „Wenn man sich die Stadt anschaut. Da ist eine royale und bourgeoisere Haltung. Und man muss schon bestimmte Rituale auffahren, um auch Aufmerksamkeit zu bekommen und in diese Kreise reinzukommen. Die haben in Brüssel, die Presse eingeschlossen, sehr gut auf uns reagiert. Die Sammler, die wir dort gewonnen haben, holen wir auch peu à peu ins Rheinland. Für uns ist es ganz wichtig, dieses Netzwerk vor der Tür auszuspannen. Brüssel liegt drei Autostunden entfernt. Eine Stunde fliegt man nach London, 1,5 nach Paris. Also: einen idealeren Stützpunkt kann man ja gar nicht haben.“  

Auffällig: die internationale Ambition wird heute, nach acht Jahren DC Open bereits wieder etwas gelassener, weniger verbissen, gesehen. Das Rheinland als Base, von der aus man effektiv international, ja global – eben auch über eine rege Messeteilnahme – agieren kann, rückt wieder selbstbewusst in den Vordergrund. Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt … Der Dinnersamstag von DC Open ist aber dann doch wunschgemäß nicht nur rheinisch gefärbt. Sies + Höke bezeugen: „Wir hatten zum Beispiel schon Gäste, die extra aus Hongkong angereist sind. Aber auch die regionale Sammlerschaft ist nicht zu unterschätzen, und schon für die allein würde sich die Veranstaltung lohnen.“  

Jaja, das Rheinland ist eine „Insel der Gesegneten“ – wie es Linn Lühn spontan ausdrückt, womit sie sicher ein Allgemeingefühl ins entsprechende Bild fasst. Vor DC Open war man sich dieses Privilegs des Segens jedoch wohl nicht mehr ganz so sicher. Warum gesegnet? Fassen wir zusammen, was die Stimmen in der Galerienszene durchgängig wiederholen: geographisch günstig, weil zentral mit strategisch guter Anbindung an potentielle Interessenten u.a. im Benelux gelegen; eine zuverlässige Sammlerklientel (die Berlin nach wie vor nicht in dieser Dichte aufweisen kann); die Akademie in Düsseldorf, die Kunsthochschule für Medien in Köln; institutionell funktionierend, d.h. eine gefestigte Museenlandschaft und Kuratoren in Hülle und Fülle; hinzu kommen die zahlreichen ansässigen Künstler, die des Rheinlands nicht müde werden. Ergo: Arkadische, fruchtbare Konditionen; einer Insel der Gesegneten gemäß. Eine sicherlich gute Ausgangslage, die es eben auch möglich macht, Berlin weniger phobisch zu sehen, sondern vielmehr als seinerseits zentrale Base im Osten zu bespielen und zu nutzen bzw. vice versa. Rupert Pfab aus der Düsseldorfer Poststraße erklärt mit Blick auf die gegenwärtige Situation: „Es ist unstrittig, dass Museen wie die Kunstsammlung NRW, das Museum Ludwig in Köln, die Bundeskunsthalle in Bonn oder das Museum Folkwang in Essen, um nur wenige Beispiele zu nennen, internationale Häuser mit entsprechend international bestens vernetzten Kuratoren sind. Die Galerien aus Köln und Düsseldorf stehen mit diesen Institutionen im engen Austausch. Deshalb suchen zahlreiche in Berliner Galerien vertretene Künstler häufig auch eine Galerienvertretung im Rheinland. Von internationalem Rang sind auch die hiesigen Sammler.“ Berlin hat sichtlich seinen Schrecken verloren. Hierzu Alexander Sies und Nina Höke: „Warum muss man denn immer das Rheinland mit Berlin vergleichen? Beide Szenen haben ihre ganz eigene Dynamik, mit Vor- und Nachteilen. Insgesamt ist es doch eine Bereicherung, beides zu sehen: Anfang September kommt man ins Rheinland zu DC Open, und Mitte September geht man dann nach Berlin zur Art Week. So machen wir es selbst auch.“ Thomas W. Rieger von der Konrad Fischer Galerie in Düsseldorf-Flingern scheint diese Worte seines Kollegen aus der Carlstadt zu bekräftigen: „Ein Ranking unter den jeweiligen Szenen wäre dabei für mich eher irrelevant – und ich denke, das ist es für viele Sammler auch. Insofern macht ein Vergleich zwischen den einzelnen Veranstaltungen wenig Sinn: alle haben da ihre Besonderheiten und Qualitäten. Jede hat ihre lokalen und internationalen Facetten. Die Mischung macht’s.“  

In Markus Lüttgen hat Köln einen Heimgekehrten. Als Direktor der Kölner Galerie Johnen, deren Berliner Dependance er ab 2004 leitete, machte er sich in der Hauptstadt 2008 selbständig. 2014 kam er ins Rheinland zurück. Und wurde geradewegs gefragt, ins Advisory Board von DC Open einzusteigen. Zur Rückkehr nach Köln bewogen ihn, wie er im Gespräch erklärt, die kürzeren Distanzen, die unmittelbare Nähe zu einschlägigen Institutionen in Düsseldorf, Brüssel, Amsterdam, London und Paris. Über den Effekt von DC Open stellt er fest, dass, besonders auch für die Zukunft, eine kontinuierliche Stärke und Tradition der Region wieder sichtbar werden. Lässt man also den Vergleich mit anderen Standorten mal im Schrank, hören wir einen Kommentar des Kölner Galeristen Philipp von Rosen: „Gleichwohl kann natürlich immer alles noch besser, internationaler und erfolgreicher werden, insofern dürfen wir in unseren Bemühungen, DC Open zu entwickeln, nicht nachlassen. Für mich zählt aber mehr ein nachhaltiger Erfolg als das Streben nach punktuellen Hypes. Und den sehe ich dann gegeben, wenn – wie das auch stattfindet – durch DC Open die rheinische Kunst- und Galerienszene als ein lebendiges, dynamisches Geschehen wahrgenommen wird.“  

Welches Fazit ist also zu ziehen? Was man mit DC Open erreicht hat: die Saisoneröffnung ist ein fester Termin im Kalender geworden, sowohl in dem der aus der Sommerfrische startenden Rheinländer, als auch für ein Publikum im überregionalen wie internationalen Radius. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die „postmoderne Tradition“ der Kunstszene im Rheinland inklusive Art Cologne trägt ebenso dazu bei wie die in die Gegenwart getragene Reputation der Galerien selbst auf internationalem Parkett. Das Rheinland gerät nicht in den toten Winkel. Das Rheinland, sein Kunstbetrieb, ist ein Label, auf das man sich verlassen kann. Ein Monopol auf Qualität und Aufmerksamkeit hat man im globalen Treiben jedoch mitnichten – und auch nicht als Lokalmatador in Deutschland. Sven Ahrens zu diesem Aspekt: „Stabilität und Dominanz sind eher kritische Qualitäten in der Kunst, da die Geschichte immer gezeigt hat, dass es keinen Zustand von Dauer geben kann und die Szenen des künstlerischen Wettstreits gerne den Möglichkeiten ihrer Entfaltung vorausgehen; das heißt: alles fließt in der Kunst.“ Auf den Lorbeeren ausruhen darf man sich also nicht. Diese Lehre hat man sicher gezogen. (Auch vielleicht die, vor potentiellen, scheinbaren Standortkonkurrenten nicht den Kopf zu verlieren.) Man schaut gelassen-geschäftig nach vorne. Viva Rhenania … oder der Mentalität gemäß: auf der Insel hätt et noch immer jot jejange.  

Autor
Isabel Hufschmidt

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Linn Lühn

* 1969, Köln, Deutschland

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Thomas Rehbein

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Weitere Personen
Sven O. Ahrens

* , Deutschland

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Marietta Clages

* , Deutschland

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Michael Cosar

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Konrad Fischer

* 1939, Düsseldorf, Deutschland; † 1996 in Düsseldorf, Deutschland

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Wolfgang Gmyrek

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Markus Lüttgen

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Hans Mayer

* 1940, Ulm, Deutschland

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Thomas W. Rieger

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Philipp von Rosen

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