Band 252, 2018, Gespräche mit Künstlern, S. 206

Cao Fei

Zeitalter der Ungewissheit

von Anneli Botz

Die Chinesin Cao Fei zählt zu den innovativsten Künstlern ihres Landes. In ihrem multimedialen Werk untersucht sie, wie Urbanität und Technologie ihr Land verändern. In ihren Videos, Fotografien und Installationen entwirft Fei virtuelle Utopien und erkundet das Lebensgefühl einer Jugend- und Subkultur in Zeiten des rapiden Wandels. In der internationalen Kunstwelt ist das Werk der 39-jährigen hoch angesehen; erst vergangenes Jahr widmete ihr das MoMA PS1 in New York eine groß angelegte Retrospektive. Nur in China will man Cao Fei nicht zeigen. Nun brachte ausgerechnet ein deutscher Konzern ihre Kunst nach Peking.  

Anneli Botz: Frau Fei, in diesem Jahr haben Sie für BMW das 18. Art Car kreiert, dessen Enthüllung in Peking stattfand. Damit stehen Sie in prominenter Tradition: Andy Warhol, Jeff Koons, Roy Lichtenstein, John Baldessari – sie alle durften bislang ein Auto für den deutschen Automobilkonzern entwerfen. Bei vielen wurde der Wagen bunt, extrem, abstrakt. Der dänische Künstler Olafur Eliasson hat ihn sogar in eine Eisskulptur verwandelt. Ihr Auto hingegen ist schlichtweg schwarz.  

Cao Fei: Das stimmt. Bei BMW war man regelrecht enttäuscht, als ich dort anrief und sagte, dass ich in Sachen Material hauptsächlich nur Carbon Schwarz brauchen würde.  

Wurde Ihnen dennoch geholfen?  

Das Team hat für mich herausgefunden, dass die Farbe schon vergeben war. Der Künstler Anish Kapoor hat sie sich vor nicht allzu langer Zeit patentieren lassen.  

Handelt es sich dabei um dieses besondere Schwarz, das zu neunundneunzig Prozent Licht absorbiert?  

Exakt. Und ich brauchte es eben aus genau diesem Grund. Das von mir konzipierte Auto wird erst in Kombination mit einem Video und einer App zum Kunstwerk. Sobald ein Besucher sein Mobiltelefon auf das Auto richtet, wird eine zusätzliche Dimension sichtbar. Das klappt aber nur, wenn das Auto kein Licht reflektiert und dies schafft wiederum nur das schwärzeste Schwarz. Ich musste mir dann eine passende Alternative suchen.  

Zu Ihrer Installation gehört außerdem ein Video. „Unmanned“, zeigt einen jungen Mönch, der von einem Kloster in den Bergen durch die chinesische Landschaft in die Zivilisation wandert. Dort taucht er via Virtual Reality in eine künstlich erschaffene Welt ein, in eine digitale Dimension von Spiritualität. Begleitet wird der Kurzfilm von dem Song „Oh my Gosh“ des britischen DJs, Produzenten und Musikers Jamie XX. Ein dynamischer moderner Track, der das gesamte Video sehr kontrastreich erscheinen lässt.  

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Autor
Wichtige Personen in diesem Artikel
Cao Fei

* 1978, Guangzhou, Volksrep. China

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Weitere Personen
John Baldessari

* 1931, National City, Verein. Staaten

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Olafur Eliasson

* 1967, Kopenhagen, Dänemark

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Anish Kapoor

* 1954, Bombay, Indien

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Jeff Koons

* 1955, York, Verein. Staaten

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Roy Lichtenstein

* 1923, New York, Verein. Staaten; † 1997 in New York, Verein. Staaten

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Hans Ulrich Obrist

* 1968, Weinfelden, Schweiz

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Lim Tzay-Chuen

* 1972, Singapur

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Andy Warhol

* 1928, Pittsburgh, Verein. Staaten; † 1987 in New York, Verein. Staaten

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