Band 202, 2010, Titel: Fiktion der Kunst der Fiktion, S. 66

Hans Ulrich Reck

Gelingende und scheiternde Selbsttäuschung.

Fiktion, Amok und die Frage nach dem 'Wahren'

Nichts als die Wahrheit' – das ist eine Formel, die man in vieler Hinsicht braucht, wenn man etwas Ernsthaftes sagen oder gar Wahres bezeugen will. Als eine wesentliche Frage ergibt sich immer wieder, ob diese Insistenz auf Wahrheit überhaupt haltbar ist, ohne einen Bezug zu haben zu etwas anderem, also ohne einen Widerspruch zu setzen. Verantwortung übernehmen bedeutet konzeptuell, Ambivalenzen auszuhalten ohne zu betrügen und ohne die eine, gelöste und gereinigte Seite des Widersprüchlichen als unmittelbar gegebene, gesicherte oder geschenkte Wahrheit zu behaupten. Bekanntlich gibt es nicht einen komplementären Gegenbegriff zu 'wahr', sondern mehrere. Einer davon ist die Falschheit, ein anderer die Lüge, ein dritter die Täuschung. Das heißt, es sind verschiedene Begriffskombinationen von Antipoden zu 'wahr' denkbar.  

Erst durch radikalisierte Selbstkritik der Selbstkritik, also einer anhaltenden Bearbeitung des alten platonischen Verdachtes, wir kämen aus der Höhle des nicht-bemerkten Gefangenseins in Illusionen und Selbstverblendungen nicht hinaus, gelangen wir auf einer prinzipiellen Ebene zu einer vollen Anerkennung der gegenwärtigen, medial so ungeheuer intensivierten Täuschungen und Selbsttäuschungen. Filme wie 'Matrix' und 'Matrix reloaded' sind interessant in dem Sinne, dass die experimentelle Philosophie der science fiction ein reichhaltiges, die Metaphysik beerbendes Gebiet ist. Es geht darin nicht nur um das Pandämonium einerseits, das Paradies der Effekte und Täuschungen andererseits, die man vorgeführt bekommt. Im Spektakel des Kinos genießen wir es unbedingt, etwas für wahr zu halten, von dem wir doch wissen, dass es eine Vortäuschung ist. Ja, gerade insoweit wir wissen, dass es eine Vortäuschung ist, genießen wir dieses Werk. Erst wenn es unheimlich wird, geraten wir in den Mahlstrom der Irritationen und wissen nicht mehr, ob es sich wirklich nur um eine ästhetische, inszenierte Vortäuschung handelt. Die Ambivalenz, das verunsicherte In-der-Schwebe-Verbleiben erinnert natürlich an viele, damit verbundene Motive: durch den Spiegel hindurch zu gehen in eine andere Welt, wie Alice im Wunderland beispielsweise. Manchmal, mittels zugespitzter Höchstleistungen, entsteht die Einsicht in das Reale und die Dinge erst Kraft Fantasie, durch exponierte Fiktionalisierung. Man geht nicht fehl in der Annahme, die Krise des Realen bestehe darin, dass seine Entwicklung und erst recht der Fortschritt uns unserer Fiktionen beraubt.  

Auf diesem dialektischen Hintergrund – unvermeidliche Realitätssteigerung durch Entfesselung der Fiktionen – ist hinzuweisen auf die Kunst des Lügens als Bedingung des Wahrheit-Sagens. Das klingt weniger frivol, wenn man sich das Problem der Lügen im spezifischen Sinne dessen verdeutlicht, was die Semiotik in ganz gewöhnlicher Weise untersucht. Jedes Ding kann für ein Zeichen stehen, kann als Zeichen aufgefasst werden – für Menschen zumindest. 'So-tun-als-ob', das Inszenieren 'als ob', bedeutet im Kern immer: jedes Ding kann im Verlauf einer Fiktionalisierung oder Inszenierung für irgendein Zeichen stehen und dieses Zeichen wiederum für verschiedenartige Bedeutungen. Anders gesagt: man damit kann spielen. Seit der Antike ist deshalb die Semiotik diejenige Disziplin, die es zu tun hat mit wahrheitsindifferenten Darstellungsmöglichkeiten.  

Wofür die Zeichen stehen, ist keine Frage der Referenz oder des Bezugnehmenden 'auf etwas hin', sondern eine der Glaubhaftigkeit in Bezug auf die Zeichen selber – also gleichsam realitätslos und mithin fiktiv besonders in ihrer internen Leistungsfähigkeit. Zeichen können für etwas stehen, das 'wahr' genannt wird, oder für etwas, das 'Lüge' heißt. Umberto Eco und andere prominente Zeichenphilosophen haben verschiedentlich darauf verwiesen: Semiotik ist eine herausragende Theorie der Lügen. Sinnvolle Zeichen sind nur solche, die auch zum Lügen verwendet werden können. Wenn sie das nicht ermöglichen, können wir auch nicht die Wahrheit sagen. Wir haben also seit alters her epistemologisch eine enge Kopplung von 'Wahrheitsagenkönnen' und 'Lügenkönnen'. Deshalb ist das vermeintlich ethisch-moralische Probleme der Lüge vorrangig ein erkenntnistheoretisches Dilemma, dass Wahrheit von außer ihr Liegendem abhängig ist.  

Im Feld der Selbsttäuschung kann und muss man Selbsttäuschungen ernst nehmen in ihrer vitalen Kraft, auch in ihrer Unersetzlichkeit. Zentrale Herausforderung: wie kann man diese so beschreiben, dass man nicht der platten Täuschung unterliegt, dass man also weiß, man werde getäuscht oder täusche sich selbst, genießt dies aber, weil man eine Einsicht entwickelt hat in die Täuschung als solche und besonders in Bedingungen und Verläufe des Täuschens.  

Ein herausragendes historisches Modell für solche erkenntnisfördernde Doppelung der Ent-Täuschung mittels und durch Täuschung einerseits und der Täuschung als Genuss andererseits, ist das bürgerlichen Theater, das zurückgeht auf die aristotelische Poetik und Dramaturgie. Das Virtuelle der Bühne bewirkt, befördert und ist ein Tun-als-ob. Dieses muss jedoch immer ganz real wirken. Schillers berühmte 'moralische Anstalt' im 18. Jahrhundert hatte weniger mit den später herausgestrichenen moralisierenden Erziehungsansprüchen zu tun als vielmehr mit der Emotionssteigerung durch Genussübertragung kraft Täuschungen. Ein Schauspiel und seine Inszenierung hatten so bannend zu wirken, dass die Gefühlswelt eines tragischen Konflikts, einer ausweglosen Liebesgeschichte, eines historischen Konflikts ungefiltert und ungebrochen emotional erlebt und gleichzeitig gewusst wird, dass dieser Genuss durch eine Theaterinszenierung verschafft wird. Das ist der Kern des bürgerlichen Theater. Molière dagegen ist ¬– wie bekannt – am französischen Hof gescheitert mit seinem Projekt, weil die damalige Aristokratie zu unaufmerksam und abgestumpft war, um die Beschimpfungen überhaupt wahrzunehmen. Die Aristokratie war historisch nicht interessiert an der Dopplung des Genusses, die eine epistemisch nicht selbstverständliche Anstrengung und Steigerung beinhaltet gegenüber dem Schauwert des Zeigens, von Prunk und Pomp. Das Bürgertum führt als Novität ein, dass man sich täuschen lässt, um gleichzeitig das Wissen um diese Inszenierungsprinzipien wie den konkreten Genuss am Spiel zu genießen. Dies muss geleistet werden, damit der Genuss auf der ersten Ebene überhaupt möglich wird: vermittelte Unmittelbarkeit ist das Resultat – mit gewichtigen ästhetiktheoretischen Folgen.  

Wenn das ein generell für Realitätsmodellierung gültiges Prinzip ist, dann besitzt das Reale immer eine fiktionalisierende Kraft und es gäbe eine Differenz zwischen Realem und Fiktiven auch im Wirklichen selbst. Ein Gegenbeispiel für diese aufrechterhaltene Differenz ist der Amoklauf. In diesem wird kurzgeschlossen und Realität als zusammenhängende erzwungen, wird also Reales um jeden Preis hergestellt ohne dass die Differenz des Fiktiven als ein Tun der Fiktionalisierung erhalten bliebe.  

Gewaltentfesselung vom Typus des Amok-Laufs betrifft Menschen, die eine solche wie die genannte Differenz nicht mehr ausbilden können oder aushalten wollen. Die ja im Normalen schon deutlich naheliegende Lust, die ganze Welt in die Luft zu sprengen, um an der Mordlust 'sein Mütchen zu kühlen', welches die ganze Welt aus Hass und Rachsucht verwirft, muss natürlich unbedingt (ethisch, psychisch, juristisch) gebändigt werden. Das gelingt aber wiederum nur, wenn die selbstgenügsame Macht der Fiktion mobilisiert und ausgehalten werden kann als eine Virtualisierung, als ein 'als-ob', ein Spiel, das gerade nicht den Anspruch entfaltet, auf Welt und Wirklichkeit zuzugreifen. Wenn man den mörderischen Impulsen nachgeben würde, machte man den Fehler, dieses Energiepotenzial nicht durch die von Freud beschriebene Einsicht in die unvermeidliche Kränkung Kraft Ent-Täuschung von Allmachtsphantasien und dergleichen zu filtern oder besser noch: zu neutralisieren, mindestens zu bändigen. Handlungsverzicht aus Kontrollgründen beinhaltet unvermeidlich zivilisatorische Gewaltausübung gegen sich selbst mit dem Gebot, die Folgekosten dieses Prozesses im Erträglichen zu halten. Eben dies gelingt den Amokläufern nicht: sie agieren an anderen das Nicht-Ertragen-Können des Zwangs zur Selbstmodellierung aus.  

Darin versagt dann triebtechnisch die moralische Forderung, dass es uns nicht zusteht, ein Richteramt über Leben und Tod auszuüben. Daraus folgt die Einsicht: Gerade weil wir nicht allmächtig sind, brauchen wir Illusionen. Wir benötigen Täuschungen, wir benötigen Ent-Täuschungen und wir brauchen vor allem diesen Bindestrich im Ausdruck der 'Ent-Täuschung'.  

Meistens wissen Menschen, dass und wie sie sich überlisten, um in den Genuss wirksamer Vortäuschungen zu kommen. Und dies auch dann, wenn das Wissen erhalten bleibt, dass es sich auf der Oberfläche 'nur' um Fiktionen handelt. Trotzdem gehen die Selbsttäuschungen in dieser Fiktion vollkommen und vollständig auf. Es fällt allerdings schwer sich vorzustellen, dass man das beliebig oft wiederholen kann oder auf Dauer in der Lage ist, ernsthaft zu dissimulieren, dass man beispielsweise einen Bildschirm für das Wirkliche hält. Nehmen wir an, man besetzt solches emotional zwingend. Dann würde man dem Fiktiven eine Realität geben auf Zeit. Dieser Mechanismus der geliehenen Wirklichkeit eines erzwungenen Authentischen beruht natürlich nicht nur auf einer Selbsttäuschung, sondern erzeugt diese erst. Man muss sich selbst stetig darüber hinweg täuschen, dass es ja 'nur künstlich' ist. Gleichzeitig muss man Selbsttäuschungen unmittelbar genießen, darf also nicht enttäuscht sein, dass 'es nicht wirklich wirklich' ist. Phänomene einer – vorgreifenden oder parallel zum Selbstinszenierungsmechanismus ablaufenden – Dissimulierung der Simulationsbereitschaft, also Aufhebung der vermittelten Unmittelbarkeit zugunsten des Verschwindens aller Vermittlung, auch derjenigen des medialen Produktes oder der Verdinglichung der Emotionen in Objekten, halten sich konstant und scheinen eine herausragende Praktik der Kontingenzbewältigung oder kultureller Aneignungen von Realitätsversprechen zu bleiben.  

Heinz von Förster hat öfter – beispielsweise im packenden Film 'Suspicious Minds' von Peter Krieg (1991) – brillant erklärt, wieso Menschen intern – also neurologisch wie epistemologisch – zwischen Wahrnehmung und Halluzination nicht substanziell unterscheiden können. Die Macht der Fiktionen könnte man in diesem Zusammenhang beschreiben als ein Setzen darauf, die Welt virtueller zu machen als sie (bisher) ist. Die Krise des Realen wäre (dementsprechend) jede Vereinfachung, also beispielsweise, wenn Katastrophen herbeigeführt werden dadurch, dass in der Realität die Differenz zwischen dem Fiktiven und dem Nicht-Fiktiven nicht mehr bewusst offen gehalten wird. Das erkenntnisbeschreibende Prinzip der Virtualisierung erhält sich. Die Macht der Fiktion kann nur begründet werden, wenn sie nicht naiv ist, wenn man also nicht der Täuschung unterliegt, dass man für real hält, was fiktiv ist, auch vor einem selbst nicht. Man muss für die Annahme des Fiktiven eine Kraft entwickeln, ein Als-ob zu verdeutlichen, ein 'sei-es-dies-als-etwas-anderes' hinzunehmen. Die Kunst vermag, so zu tun, als ob 'ein etwas' wahr wäre. Das ermöglicht, den Fiktionen ihre Wirklichkeit zu verleihen.  

Jeder kennt aus der Alltagspraxis und der Psychologie, dass und wie es möglich ist, Hypothesen zu glauben nicht durch Beweis, sondern durch reine Wiederholung. Dadurch ergibt sich etwas, das real wird, egal, wie fiktiv, irreal und halluzinativ es einmal gewesen ist. Man verhält sich hier nicht anders als Tom Ripley bei Patricia Highsmith. Dieser ist – man denke beispielsweise an 'Der talentierte Mister Ripley' (verfilmt 1999 durch Anthony Minghella, mit Matt Damon, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Cate Blanchett) – keineswegs der 'perfekte Verbrecher', sondern einer, der amoralisch genau darum und insoweit ist, weil und sofern er keine Strategie hat. Er beginnt, erst zögerlich, dann hemmungslos und schließlich geradezu süchtig, zu improvisieren und schaut, wie weit er kommt. Das verblüffende oder nicht verblüffende in Betracht der Banalität des Bösen und Kriminellen ist: Er kommt unglaublich weit damit. Das ist jedoch nur eine Variante dessen, was im normalen Vorgang auf die Erzeugung des Wirklichen durch Wiederholung der Beteuerung von Irrealem oder Fiktionen hinausläuft. Wenn man etwas wiederholt, und besonders, wenn man dieses bildhaft unterstützt und aus Berichten anderer verstärkt wahrgenommen und akzeptiert sieht, dann ist man wirklich von einem Wirklichen überzeugt, auch wenn dieses nur phantasiert worden ist.  

Entsprechend pointiert erscheint deshalb die diesbezügliche Frage von Heinz von Förster, was wir eigentlich meinen erleben zu können oder klar denken zu dürfen, wenn doch unser neurologisches System nicht deutlich zwischen Wahrnehmungen und Halluzinationen zu unterscheiden vermag? Eine der Antworten zielt darauf, dass Verstärkung allseitiger Rückkoppelungen und wachsende Kontrolle im Abgleich mit Außensichten, also Reaktionen nötig sind. Dazu braucht es Kommunikation mit anderen und genau deshalb wird die Fähigkeit zur Fiktionalisierung mitsamt dem Aufbau von Fiktionen benötigt. Immer handelt es sich um Modellbildungen von Zeichen, die für Wahrheit und für Lüge stehen könnten. Deshalb und nicht nur, aber doch besonders in dieser Hinsicht, interessieren Kunst und Philosophie anhaltend als ludische Experimentierzonen eines virtualisierenden 'In-der-Schwebe-Haltens'.  

Die Folgen daraus sind unübertrefflich formuliert worden von Friedrich Nietzsche mit dem Ziel einer Selbstaufhebung der philosophischen Verdoppelung der Welt. Sein glanzvoller Kurzabriss der abendländischen Philosophiegeschichte findet sich auf einer Seite, nahezu versteckt, in 'Götzendämmerung', dem letzten vom Autor noch bewusst zur Erscheinung gebrachten Buch von 1889. In unnachahmlicher Weise erzählt oder genauer: dekonstruiert Nietzsche die Geschichte der abendländischen Philosophie unter dem Titel: 'Wie die 'wahre Welt' endlich zur Fabel' wurde. Verhandelt werden sechs Etappen oder Schritte auf dem Wege einer paradox sich selber aufhebenden Selbsttäuschungstechnik oder Lügenpraktik. Es ist kein Zufall, dass Nietzsche Ästhetik als physiologische Erregung und die Künste als Artistenkunst gerechtfertigt hat. Wir bräuchten, wie an anderer Stelle von ihm ausgeführt, die Kunst, weil wir die Wirklichkeit nicht ertrügen. Auch die Wahrheit ertragen wir nicht, deshalb brauchen wir Ästhetik als leiblich erregende Rückkoppelung der Imagination unterhalb und außerhalb von 'Wahrheit'.  

Das zu erkennen oder auch nur zu ertragen, überfordert uns wohl noch immer. Wenn die epistemische Differenz eingezogen ist, dann wird zwar das Reale verschont und nicht skeptisch zersetzt durch ontologische Doppelungen. Dann aber tendiert alles dazu, nur noch situativ zu wirken oder kontingent zu sein. Reicht hier als Ausweg die probende Vermutung, dass wir eine Welt brauchen, in der die Wahrheiten modelliert werden als revidierbare Vorschläge? Es handelte sich dann um Realitäten, die als virtuell gelten. Jedenfalls könnte man hier der Krise des Realen mit der Macht des Fiktiven antworten. Was man fiktionalisiert, ist im Prozess der Ausbildung vom Virtualisierungen immer etwas, womit man Realitäten konstruiert und erzeugt, also stets ein Wirklichkeitskonzept. Allerdings kann man niemals sagen, man habe die 'wirkliche Wahrheit' der Fiktion erkannt. Man verfügt über gar keinen Ausweg und verbleibt innerhalb der Doppelungen. Wenn die Fiktionen Realitäten ersetzen sollen, dann brauchen wir immer noch und wieder die Instanz der Wahrheit, die wir als Wahrheit in dem Sinne behandeln, dass wir ihren künftig wohl unvermeidlich sich einstellenden Status als Irrtum noch nicht erkannt haben, wir sie also nur hypothetisch und vorläufig gelten lassen können. Nietzsche spitzt zu und folgert in seiner epistemischen Fabel: Die wahre Welt haben wir abgeschafft: welche Welt blieb übrig? die scheinbare vielleicht? … Aber nein!: "mit der wahren Welt haben wir auch die scheinbare abgeschafft!"  

Die Lust am Falschen, ob nun selber echt oder falsch, ist ein Rohstoff, der wahrheitsindifferent von Natur aus ist. Die Unterstellung, eine solche Lust sei ihrerseits echt oder müsse dies sein, setzte wieder das Gegenteil voraus, welche Aufspaltung die Paradoxie im Verhältnis des Realen zum Fiktiven als skeptisches Dilemma reproduziert. Die Paradoxien entstehen sind nicht auflösbar. Im Film von Walter Burke 'Der Einsatz' spielt Al Pacino einen CIA-Ausbildner, der den Zöglingen nicht nur fiese Tricks, sondern vor allem folgendes als Grundwahrheit eintrichtert: "nichts ist, wie es scheint". Das erweist sich dann erwartungsgemäß auch auf der Meta-Ebene als wirklich falsch und wahr zugleich: Lüge und Wahrheit lösen sich mitsamt der Differenz dazwischen auf. Es bleiben Setzungen, Paradoxien, Täuschungen, Irritationen. Es gibt keine Alternative zum Schulungsprogramm einer ästhetischen Selbstkritik aus Erfahrung (also Rückkoppelungen), erst recht keinen im Namen 'wahrer Wirklichkeit'.  

Biografische Daten

Hans Ulrich Reck, Prof. Dr. phil. habil.. Philosoph, Kunstwissenschaftler, Publizist, Kurator. Seit 1995 Professor für Kunstgeschichte im medialen Kontext an der Kunsthochschule für Medien in Köln, davor Professor für Kommunikationstheorie an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Letzte Publikation als alleiniger Autor: Traum. Enzyklopädie (München: Fink, 2010).

Autor
Hans Ulrich Reck

* 1953, Schönenwerd, Schweiz

weitere Artikel von ...

Weitere Personen
Umberto Eco

* 1932, Alessandria, Italien

weitere Artikel zu ...

Lorenzo Lippi

* 1606, Florenz, Italien; † 1665 in Florenz, Italien

weitere Artikel zu ...

Friedrich Nietzsche

* 1844, Röcken, Deutschland; † 1900 in Weimar, Deutschland

weitere Artikel zu ...