Band 149, 2000, Titel: Kunst und Geld, S. 144

KLAUS STAECK:

»Du willst doch auch nur an das große Geld«

EIN GESPRÄCH VON HEINZ-NORBERT JOCKS

Klaus Staeck, 1938 in Pulsnitz/Kreis Kamenz als Sohn eines Steuerbevollmächtigten geboren, von 1939 bis 1956 in Bitterfeld aufgewachsen, ist Graphiker, Moralist, politisch engagierter Plakatkünstler in der Tradition von John Heartfield, Jurist und Verleger, der u.a. mit Joseph Beuys zusammenarbeite. Über Kunst und Geld sprach mit Staeck, der in Heidelberg lebt, Heinz-Norbert Jocks.  

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Heinz-Norbert Jocks: Wie beurteilen Sie das Verhältnis von Kunst und Geld?  

Klaus Staeck: Das ist eines der spannendsten Themen überhaupt, wenn man über gesellschaftlichen Dimensionen reflektiert. Viele Künstler meinen ja, das sei die unanständigste Frage. Wer wie ich gleichzeitig Galerist, Verleger und Künstler ist, der beschäftigt sich zwangsläufig damit, weil mit der Geldfrage die Grundbedingungen unseres Kunstbetriebes berührt werden. Keine Kunst ist unschuldig, und ohne Geld ist vieles Heuchelei. Künstler werden nach ihrem Verdienst beurteilt. Bei Beuys machte ich die Erfahrung, dass Leute, sobald sie erfuhren, wie teuer eine bestimmte Arbeit war, mehr Respekt vor ihm bekamen. Bildende Künstler werden oft verdächtigt, da man nur die Spitze des Eisberges sieht, viel Geld zu verdienen. Von daher gibt es eine gewisse Diskrepanz zwischen der bildenden und anderen Künsten, aber das ist nur ein Nebengleis des Themas. Bereits 1972 war Geld Thema eines Plakats, allerdings nicht isoliert, sondern bezogen auf Fragen des Eigentums und der Vermögensverteilung. Die Reichen müssen noch reicher werden. Deshalb CDU hieß eins, das mir die ersten vier Prozesse innerhalb von zwei Tagen einbrachte, und da ging es zur Sache. Denn Vermögensverteilung ist nun einmal eine der zentralen, die Gesellschaft beherrschenden Fragen; der ganze letzte Wahlkampf wurde darum geführt, ob es in der Gesellschaft gerecht zugeht oder nicht. Geld als Vergleichswert und Fetisch von beinah religiösem Charakter spielt innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft eine wesentlich größere Rolle als Vermögenswerte. Nur so lässt sich die Schizophrenie erklären, dass jemand, der Millionen verdient, um auf einen bekannten Rennfahrer anzuspielen, als einer der Götter der Gesellschaft gefeiert und gekürt wird, gerade weil er Großverdiener ist. Die Tatsache, dass er in Deutschland so gut wie keine Steuern zahlt, ist seltsamerweise auch jenen egal, die sich auf der anderen Seite über Ungerechtigkeiten beklagen. Diese würden zwar nicht unbedingt die Revolution machen, leiden aber, so behaupten sie, darunter, dass nur die einen Steuern zahlen und die andern nicht.  

Zurück zum Kunstbetrieb, bitte!  

Die in den 70ern intensiv geführte Diskussion Kunst als Ware ist heute erledigt. An dem Warencharakter von Kunst zweifelt niemand mehr. Leider ist der Gedanke der Produzentengalerie gescheitert. Als ich zusammen mit Heerich und Beuys den Aufruf Für einen freien Kunstmarkt machte, hoffte ich auf eine permanente documenta in der Absicht, das Dreieck Künstler/Galerie/Museum aufzubrechen, und zwar in dem Sinne, dass der Künstler direkt zu seinen Abnehmern geht. Von der Idee ist nichts übriggeblieben, weil der Künstler auch träge ist. Zwar trägt er gerne große Fahnen und Losungen vor sich her, aber wenn es um deren Realisierung geht, ist er nicht besser als andere. Um auf die Galerie zurück zu kommen: Wer ein Rennpferd hat, kann nicht zulassen, dass es von Niederlage zu Niederlage galoppiert. Also wird er bei Aktionen zusehen, dass die Preise gehalten werden. Übrigens war für mich die Entwicklung der Neuen Wilden ein interessantes Experiment. Damals wurden ganze Konvolute eingekauft, und einige der Künstler waren so schlau, sich mit Anlageberatern kurzzuschließen, weil sie davon ausgingen, dass Geld nicht ewig fließt. Es gibt übrigens ganz neue Entwicklungen wie die Versteigerung im Internet. Sie kann noch einmal eine Revolutionierung auf dem Gebiet bringen und ist auch eine Chance für Künstler, die nun ihre Werke weltweit selber anbieten können. Die große Konkurrenz, die es inzwischen gibt, macht die Galeristen nervös, denn auch die Auktionshäuser übernehmen mehr und mehr deren Funktion, ohne die so wichtige Vorarbeit zu leisten, die man von Galeristen erwartet, wenn es um Entdeckung junger Talente und deren Einführung in den Kunstmarkt geht. Die Galeristen, eigentlich am risikofreudigsten, geraten immer mehr in die Zange. Nun verurteile ich den Kunstmarkt nicht per se, aber ich finde, er macht um alles zu viele Geheimnisse auch pseudohafter Art. Mit mehr Offenheit und mehr Ehrlichkeit wäre dem Markt mehr gedient.  

Was folgt daraus, dass das Geld-Thema innerhalb des Kunstbetriebes tabuisiert ist?  

Die Gesellschaft schuf sich stets ein Gegenbild zum materialistischen Denken, und dazu gehört die idealistische Hoffnung, Kunst sei frei davon. Dass das jedoch nie der Fall war, wissen im Grunde alle. Aber es gehört nun einmal zur Reinheitsvorstellung von Kunst, dass sie mit Geld wie mit Politik nichts zu tun haben will. Nur in dem kurzen Augenblick, wo ein Werk für Geld den Eigentümer wechselt, spielt es eine Rolle. Nur möchte man es so schnell wie möglich wieder verdrängen. Diese Erfahrung mache ich seit über dreißig Jahren. Der Zustand der Gesellschaft spiegelt sich in deren Verhältnis zum Kunstwerk wider. Dass sich etwas in der Gesellschaft politisch verändert hat, merkte ich, als man Ende der 70er Jahre zu mir kam und plötzlich keine multiplizierte Kunst mehr kaufen wollte. Weder eine Grafik noch ein Multiple. Man wünschte etwas Originales, das ruhig etwas teurer sein durfte. In dem Moment war mir klar, dass sich jemand von den anderen absetzen und etwas will, was nur er alleine hat. Deshalb also lieber etwas Kleines, aber Einmaliges. Der Multiple-Gedanke wurde ja von Beuys gepflegt. Danach sollten Gedanken, die sich in Form eines Objektes, einer Graphik oder eines Blattes materialisieren, möglichst zahlenmäßig in der Welt verbreitet werden. Plötzlich wurde das von der Abnehmerseite gestoppt.  

Der Kunstbetrieb ist ein ökonomischer, und es sind Fälle bekannt, wo die mit Kunst erzielten Preise künstlich hochgehalten wurden. Vor dem Hintergrund die Frage: Würde sich die Kunstgeschichte verschieben, wenn darüber offener gesprochen würde?  

Das glaube ich nicht, weil der Betrieb sich nicht entlarven lässt. Er basiert auf der finanziellen Erwartung, die hinter jedem Kunstwerk steckt. Ich unterscheide zwischen dem Sammler und dem sogenannten Sammler. Der eine erwirbt etwas, weil er ein Werk für wichtig hält oder es einfach haben möchte, weil es ihm gefällt oder weil er wie ein Briefmarkensammler auf Vollständigkeit bedacht ist. Der sogenannte Sammler ist jemand, der bereits mit dem Hintergedanken der Wertsteigerung kauft. In den 80er Jahren wollten vor allem junge Leute etwas in der Hoffnung auf dessen Wertsteigerung erwerben. Aus einer gewissen Hilflosigkeit und Verlegenheit heraus und weil ich auch keine Wertsteigerung garantieren konnte, riet ich, es lieber bleiben zu lassen. Zurück zum Markt, der gezielt Künstler macht, sie mit seltsamen Verträgen an sich bindet und im Verbund mit anderen Galerien einführt und auch austauscht, was zunächst ja legitim ist: Mir ist ein Fall bekannt, wo eine kleine Galerie einen der Grossen ausstellen wollte. Da der großen Galerie, die ihn vertrat, das Programm der kleinen nicht gefiel, wurden bestimmte Ausstellungen zuvor und danach mit dem Hinweis empfohlen, dann sei auch eine Ausstellung mit dem Rennpferd möglich. Dass jemand wie Anselm Kiefer seine Galerie verlässt, um frei zu sein, geht erst ab einer bestimmten Größe. Das Dilemma kleiner Galerien besteht darin, dass Sie sich in der Anfangszeit für einen Künstler einsetzen, ohne viel durch ihn zu erwirtschaften, und ihn, wenn er eine gewissen Namen erlangt hat, an eine andere Galerie verlieren, die ihn in die nächste Etage bringt.  

Was beabsichtigen Sie als Künstler?  

Mir geht es darum, meine Ideen so billig wie möglich unters Volk zu streuen. Noch heute habe ich meine alten Plakatpreise, weil ich der Meinung bin, dass sie für jemanden erschwinglich sein müssen, der wenig Geld hat, aber an den Ideen interessiert ist. Also wenig über den Druckpreis. Ich messe meine Preise nicht einmal an dem Posterpreis entsprechender Galerien, wo sie in der Regel um die 25 DM, während meine nach langem Hin und Her immer noch 10 DM und mit Rabatt sogar nur 5 DM kosten. Daran interessiert, dass jemand mit den Plakaten etwas tut, verstand ich sie stets als Arbeitsmaterial für andere, die gesellschaftsverändernd arbeiten wollen, und bot sie entsprechend an. Das funktioniert nicht, wenn ein Plakat zu teuer ist. Niemand klebt ein Plakat, das zwanzig Mark kostet. Nun kann ich meine Arbeit nur machen, weil ich mit anderem mein Geld verdiene und vom Kunsthandel mit anderen lebe. Schon früh verlegte ich die Werke bestimmter Künstler, deren Wert inzwischen beträchtlich gestiegen ist. Beuys, Broodthaers, Palermo, Dieter Roth oder Ben Vautier lassen sich auch nach dreißig Jahren mit der vom Markt herbeigeführten Wertsteigerung verkaufen.  

Bezogen auf Ihre Plakate, inwiefern hat sich da etwas verändert?  

Am Anfang, als noch die Vorstellung kursierte, es gäbe eine böse Macht, die die Menschen versklave, und die Armen, die sich nicht wehren können, seien deren Opfer, hatte ich mehr so eine direkte Kapitalismus-Kritik. Inzwischen sehe ich alles differenzierter. Heute geht es mir mehr darum, den einzelnen anzusprechen, ohne daran zu glauben, dass er Sklave einer anonymen Macht sei. Er tut nichts, um diese Zwänge abzuschaffen. Ich sage immer, die Leute, auch die, die nichts haben, wollen nicht die Gesellschaft verändern, sondern selber den großen Lotto-Gewinn. Vor zehn Jahren belieferte ich noch jene, die die Gesellschaft verändern wollten, mit Plakaten zu gesellschaftspolitischen Themen; doch heute arbeitet daran niemand mehr. Zwar sind viele unzufrieden und fühlen sich auch in der Entfaltung ihrer Persönlichkeit behindert, da ihnen nicht alle Güter zur Verfügung stehen, aber im Grunde wollen Sie doch alle nur das große Geld, und dann ist die Welt für sie in Ordnung. Die Auflösung der Gesellschaft in lauter Individuen wird gezielt vorangetrieben. Demnach ist in postmodernen Zeiten jenes Individuum der moderne Mensch und Modernisierer, der flexible, eben zu jeder Zeit verfügbar ist. Hingegen ist jeder, der auf einem bestimmten Wertekanon beharrt, Traditionalist. Wohl auch weil das Missverhältnis zwischen Einkommensverhältnissen immer größer wird, war das alte Plakat Die Reichen müssen noch reicher werden während des letzten Wahlkampfs eines der begehrtesten. Als Abrechnung, wenn man so will. Man könnte meinen, die Leute seien dieser Art von Vermögensverteilung überdrüssig geworden, aber weit gefehlt.  

Als was verstehen Sie Ihre Plakate?  

Ich setzte auf langfristige Wirkung. Wenn ich überhaupt für jemanden arbeite, so nur mit Greenpeace, Amnesty International und Terre des Hommes; aber das sind keine Auftraggeber. Im Grunde geschieht alles in eigener Regie. Dazu eine kleine Geschichte: Nachdem ich das deutsche, bisher mein bekanntestes, in riesiger Auflage gedrucktes Arbeiter-Plakat Die SPD will Eur Tessin wegnehmen gemacht hatte, rief mich jemand vom Bundesverband der Deutschen Chemischen Industrie an, um mich zu fragen, ob ich nicht Lust hätte, für sie zu arbeiten. Ich fragte, wie er sich das vorstelle: Ja, wir wollen eine Kampagne zum Thema Mitbestimmung machen. Ich: Ach, Sie sind für Mitbestimmung? Er: Nein, wir sind dagegen. Ich: Wie kommen Sie auf die Idee, ich könnte für Sie arbeiten. Er: Hören Sie auf, Sie wollen doch auch nur eine Villa im Tessin. Dass jeder käuflich sei, war seine Grundüberzeugung. Vermutlich gehen viele Manager davon aus, und es stimmt wohl auch. Aus dieser Philosophie heraus wird die Gesellschaft gestaltet. Ich gehe damit um, indem ich anachronistisch arbeite und es als Ist-Zustand mit Veränderungsmöglichkeit akzeptiere. Nun sind, wie jeder weiß, die Warenhäuser unsere Konsumtempel, unsere Freizeit- und Erlebnisstätten. Zudem gibt es Erlebnisparks, in denen Sie sich den ganzen Tag aufhalten und sich unterhalten lassen können. Wer für eine solche Kauflandschaft kein Geld zur Verfügung hat, ist im Grunde arm dran, auch wenn er als Zuschauer daran teilnimmt. Da er sich dort aber auch als Arbeitsloser wunderbar ablenken kann und das Gefühl hat, trotzdem dazuzugehören, kommt er auf keine umstürzlerischen Gedanken. Doch auf Dauer ist das keine schöne Perspektive. Wie gesagt, das Thema Geld zieht sich durch meine Arbeit, wenn auch nicht derart, dass ich es abbilde. Was ich prinzipiell am Zustand unserer Gesellschaft kritisiere, ist, dass sie auf Kosten zukünftiger Generationen lebt. Jede vierte Mark zahlen wir bereits an Zinsen ohne jede Tilgung. Ein Zustand, auf Dauer unerträglich, wenn Sie das einmal in die Zukunft projizieren.  

Haben Sie sich mit Geldtheorien befasst?  

Nie, dabei meinen Leute, ich müsste mich dafür interessieren, damit meine Arbeit besser wird.  

Wie kommen Sie an Informationen?  

Wo nur möglich, fresse ich sie in mich hinein, lese irrsinnig viel Zeitung, auch den Wirtschaftsteil, wo im Grunde offengelegt ist, was passiert. Das sind ja keine Geheimwissenschaften. Dabei stellt sich die Frage, ob der Aktienkurs oder die Beschäftigungssituation der Maßstab für das Weiter unserer Gesellschaft ist. Wollen wir also dieses oder jenes Prinzip? Nehmen Sie die Hatch-Fonds in Amerika, die nur noch auf den Mehrwert aus und längst in der Lage sind, ganze Staaten zu ruinieren. Selbst George Sorros, einer der größten internationalen Spekulanten, der Milliarden mit Währungsspekulationen hin und herschiebt, hat davor gewarnt, die russische Wirtschaft auf diese Weise auf Null zu bringen. Interessant ist auch das Problem des für die Kunst so wichtigem Folgerechts. Wenn etwas versteigert oder weiterverkauft wird, dann entstehen 5 % Folgerecht. Dieses sollte vor kurzem in der EU harmonisiert werden, was aber daran scheiterte, dass unsere Regierung seltsamerweise einen Deal mit der Altautoverordnung machte, weil VW daran nicht interessiert war. Der Deal bestand darin, dass Großbritannien, das dagegen stimmte, als Gegenleistung zugesichert bekam, dass die Harmonisierung nicht kommt. Das bedeutet, dass die großen Werke in London versteigert werden, weil dort kein Folgerecht gilt.  

Was sind Auslöser für eigene Plakate?  

Fast immer gesellschaftliche Missstände, von denen ich glaube, dass der von mir angesprochene Normalmensch Einfluss darauf hat, ob sie beseitigt werden oder nicht. Für mich ist das oberste Prinzip stets Aufklärung, aber nie in dem Sinne von Handlungsanweisungen. Den faulen Bilderfrieden störend, unterlaufe ich quasi Werbekampagnen, indem ich Slogans umdrehe oder Wörter austausche. Mit Hilfe des Visuellen Verblödungsstrategien zu entzaubern, darin sehe ich meine Arbeit. In der Regel beliefere ich nicht den traditionellen Kunstbetrieb. Zwar habe ich bei der Messe immer noch eine Außenwand mit meinen Plakaten, aber die heutigen Kunstmessebesucher sind längst nicht mehr meine Abnehmer. Die erreiche ich vor allem über meinen Versand und meinen Staeck-Brief.  

Ist, was Sie tun, mit politischem Kabarett vergleichbar?  

Könnte man so sagen, auf jeden Fall nicht Commedy. Trotzdem ist es noch etwas anderes. Der Oberbegriff ist eigentlich Satire, denn Kabarett ist von vornherein Leerlauf. Noch nie habe ich irgendetwas in einer Satire-Zeitschrift veröffentlicht, denn, wo Satire drübersteht, ist die halbe Wirkung verpufft. Meine Sachen überraschen in alltäglichen Zusammenhängen. Wenn Sie meine Plakate, die bewusst im Mantel der Werbung daherkommt, an einer Litfasssäule entdecken, so können Sie diese nie sofort einordnen. Dabei sind sie nicht besonders artifiziell. Gehen Sie ins Kabarett, so von vornherein mit einer bestimmten Erwartung. Bei mir ist das nicht der Fall, denn Sie können nicht sofort feststellen, ob das von irgendeiner Bank stammt, die gegen eine andere kämpft. Es gibt keinen direkten Absender. Bei dem Plakat Die Reichen müssen noch reicher werden. Deshalb CDU dachte man reihenweise, das sei ein CDU-Plakat, weil der Inhalt ja stimmt. Wäre der Inhalt absurd, träfe die Wirkung ins Leere. Von Bildern umstellt, ist es notwendig, Aufmerksamkeit durch Widerhaken zu erregen. Meine Sachen funktionieren wie ein Dreikomponentenkleber. Sie haben ein Bild in der Regel, einen Slogan, der wie ein gängiger daherkommt, und der Rest findet im Kopf des Betrachters statt. Satire ist etwas Hochkompliziertes, und viele behaupten, in der politischen Werbung sei das nicht zu gebrauchen, weil man es nicht begreife. Zur Zeit meines Reichen-Plakats beobachtete ich, wie Leute aus den eigenen Reihen zweifelnd davor standen und sich fragten, ob ihre Partei so verrückt geworden sei, die eigenen Fehler zu plakatieren. Viele verstanden es vielleicht auch gar nicht, aber ich muss auch nicht alle erreichen. Die Aktiven und meine künftigen Kompatanten sind meine Zielgruppe, und da gibt es Streuverluste.  

Autor
Heinz-Norbert Jocks

* 1955, Düsseldorf, Deutschland

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Klaus Staeck

* 1938, Pulsnitz, Deutschland

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