Wiesbaden
Zwischen Wipfel und Wurzel – Fragmente aus dem Netzwerk Wald
Künstlerverein Walkmühle 23.08.– 10.11.2024
von Sabine Elsa Müller
Der Wald hat Konjunktur – seit bekannt wurde, dass Bäume als brillante Netzwerker und Kommunikatoren irgendwie mit uns Menschen einiges gemeinsam haben und sich das Alte-Leute-Freizeitvergnügen „Wandern“ durch die Umetikettierung in „Waldbaden“ viel besser genießen lässt, lockt der Wald als angenehm kühles Refugium gerade auch in den chronisch überhitzten Sommern. Dabei war der Wald immer da: Fast 30 % der gesamten Fläche Deutschlands ist mit Wald bedeckt. Bleibt zu hoffen, dass mit dem Interesse am Wald auch das Bewusstsein für dessen ökologische und kulturelle Bedeutung wächst.
Von den einunddreißig Künstlerinnen, Künstlern und Künstlerduos der Ausstellung Zwischen Wipfel und Wurzel setzen sich einige schon seit Jahren mit Themen rund um den Wald auseinander. Dementsprechend tiefgründig ist die Ausstellung geraten, obwohl sie nicht versucht, mit bekannten Namen zu punkten. Anders als es in Museen üblich ist, entwickelt der Künstlerverein Walkmühle seine umfangreichen Themenausstellungen auf der Basis einer offenen Ausschreibung. Die ausgewählten Werke wurden von den beiden Kuratorinnen Christiane Erdmann und Verena Schmidt mit viel Feingefühl in eine Geist und Sinne gleichermaßen stimulierende Schau verwoben.
Allein über die Fotoarbeiten des indischen Künstlers Sharbendu De (geb. 1978) ließen sich viele Seiten füllen. Nicht nur ihr motivischer Gegenstand verlangt eine längere Erläuterung: Im Fokus steht die indigene tibeto-burmesische Lisu-Gemeinschaft, die im unzugänglichen Dschungel des indisch-myanmarischen Grenzlandes lebt. Über sieben Jahre, von 2013 – 2019, hat De in enger Kollaboration mit der Gemeinschaft an seiner Serie Imagined Homeland gearbeitet. Die in…