Wien
The 80s
Die Kunst der 80er Jahre
Albertina Modern 10.10.2021–13.02.2022
von Uta M. Reindl
Als „die wichtigste Dekade auf dem Wege der Kunst unserer Zeit“ wird die Kunst der 1980er Jahre im Katalog bezeichnet. Der in diesen Zeiten ausbrechende künstlerische Pluralismus, so Klaus Albrecht Schröder, der Direktor von ALBERTINA MODERN, sei ein Kontrast zu den „monolitischen Stilen der Moderne“. Ein „Anything Goes“ war die Devise – im Spannungsfeld zwischen High und Low Culture, zwischen systemimmanenter und gesellschaftskritischer Kunst. Somit seien die 1980er Jahre eine „Wiege“ des heutigen Kunstschaffens. Diese Einschätzung scheint der im besagten Jahrzehnt von so manchen Protagonisten der derzeitigen Kunstszene gerne kultivierten Selbstüberschätzung geschuldet sowie einer damit einhergehenden Überschätzung des innovatorischen Potenzials ihres Kunstschaffens. Die Stile der Moderne als monolithisch anzusehen, die bekanntlich und erstmalig genreübergreifendes Schaffen und damit künstlerische Vielfalt generierten, ist nicht ganz nachvollziehbar.
Genau jene virile Selbstherrlichkeit im Kunstdiskurs der 1980er Jahre mit ihrem Hang zur Gigantomanie in Kunstproduktion nach dem Diktum „size matters“ sowie einem mitunter anarchischen, oft dadaistisch anmutenden Umgang mit E- und U-Kultur anschaulich zu machen, gelingt Angela Stief, der Chefkuratorin des Hauses, mit ihrer Ausstellung. Überdeutlich wird dies etwa mit dem Nebeneinander von Jeff Koons kitschigem Skulpturenensemble mit Bären und Polizisten von 1984 sowie dem formal wie inhaltlich schrillen Riesengemälde im Actionund Graffitimodus des Franzosen Hervé di Rosa. „Kunst geht auf die Straße“ überschreibt ein Saaltext mit Kunst gegen den White Cube, wie etwa von Keith Haring oder Jean-Michel Basquiat.
Emblematisch für das zur Anschauung gebrachte Dezennium sind natürlich die großformatigen Leinwände der Neuen Wilden…