Nicht Kunst im öffentlichen Raum, sondern die Stadt für alle ist das Ziel
Ketzereien eines Farbenthusiasten
von Friedrich Ernst von Garnier
Farbgestaltung im Hoch- und Städtebau als Gratwanderung zwischen Kunst und Design – dies ist das Thema, mit dem sich Friedrich Ernst von Garnier in seinem Beitrag kritisch, ja z.T. ketzerisch auseinandersetzt. Vor dem Horizont seiner persönlichen Erfahrungen als praktizierender Farbgestalter beleuchtet er die Frage, wo aus seiner Sicht die Kunst im öffentlichen Raum allzu selbstherrlich auftrumpft, wo sich die Inkompetenz von in Sachen farbiger Architektur ahnungsloser Architekten fatal auswirken kann, wo die “Betriebsblindheit” von Denkmalpflegern genau das Gegenteil dessen heraufbeschwört, was eigentlich an Positivem beabsichtigt ist.
Liest man zwischen den Zeilen, so fällt es nicht allzu schwer, aus den kritischen Bemerkungen von Garniers Rückschlüsse auf dessen eigene Gestaltungsphilosophie zu ziehen. Farbgestaltung im öffentlichen Raum soll nach seiner Überzeugung nicht schockieren oder provozieren, sondern so etwas wie “Begleitmusik” oder auch unaufdringliche Lebenshilfe sein; sie soll den Menschen, die mit riesigen, in die Landschaft geklotzten grauen “Betonkoffern” leben müssen, ein Stück Natur (oder die Illusion davon) zurückgeben, soll die Natur mit der Künstlichkeit der gebauten Umwelt versöhnen. Nach welchen Gestaltungsprinzipien (Formgebung, Farbwahl) von Garnier dabei verfährt, zeigt ein fotografischer Querschnitt seiner in den letzten Jahren realisierten Großobjekte.
Künstlerische Gedanken oder gar Aktivitäten treffen in unserer gebauten, künstlichen Landschaft fast immer auf gewaltige Hindernisse. Die Schuld daran hat der Künstler der Einfachheit halber dem bürgerlichen Unverständnis gegeben. Folgt man jedoch dem reizvollen Argument, daß für eine Situation zwischen den Menschen – sei sie feindlich oder freundlich -…