Jürgen Klauke:
Formalisierung der Langeweile
Kunstmuseum Luzern
Landesmuseum Bonn
Neue Galerie im Landesmuseum Graz
In Venedig zählte man Jürgen Klauke zu den Künstlern der 70er Jahre, während der Kölner WESTKUNST fand man ihn im HEUTE-Teil. Schönes Indiz dafür, wie wenig sich die Künstler der jüngeren und jüngsten Vergangenheit in Schubladen pressen lassen. Mit der “Formulierung der Langeweile”, einer Ausstellung seiner neueren und neuesten Fotoarbeiten, die nach Zürich und Bonn in Graz Endstation hat, bringt Klauke die verzweifelte Lage einer um ihre Utopien gebrachten Gesellschaft isolierter Individuen und den Widerstand gegen die Akzeptanz der grauen Trostlosigkeit auf den Punkt.
Welch unglaubliche Perfidie im .Arbeitstitel’, der die Video-Filme, die großformatigen mehrteiligen Foto-Tafeln und die Zeichnungen vereint. Was würde man nicht lieber in die tiefsten Abgründe des Vergessens bannen als die Langeweile. Sie ist tödlicher als der Tod, weil sie nichts vergessen macht? Warum nun ausgerechnet einen Zustand, der der graueste unter den alltäglich grauen ist, formalisieren, in Form bringen, in den Schleier des Ästhetischen hüllen? Man kennt das Sprichwort “den Stier bei den Hörnern packen”. Klaukes Arbeit hat etwas davon in ihrer perfide übersteigerten ästhetischen Brillanz. Hier ist die Langeweile so wörtlich genommen wie die Formalisierung. Glanzbilder der Trostlosigkeit.
Nach zähen und traumatischen Betrachtungen seines subjektiven Standortes als erotischsexuelles Wesen hat Klauke zu einer exemplarischen Stellungnahme gefunden, die kein distanziertes Gegenüber – selbst in der Ablehnung nicht, wie vielfältig zu beobachten war -, kein Abstandnehmen des ,das geht nur ihn an’ erlaubt. Man spricht bei solchen Gelegenheiten gern vom Lebensgefühl der Jüngeren. Pure Heuchelei! Die Langeweile, die…