Norbert Messler
James Lee Byars
Galerie Michael Werner, Köln, 16.4. – 20.5.1994
In der Galerie Werner hat James Lee Byars eine Ausstellung aufgebaut, die sich mit dem bewährten Titel “Raum, Zeit und Stille” am leichtesten beschreiben ließe. Thematisch kreist sie um den Begriff der “Einsicht” bzw. des Einsehen-Könnens. Zu diesem Eindruck kommt man, wenn man sich als erstes das Verhältnis der Kunst zum Raum bzw. zu den Galerieräumen anschaut. Einer der drei Ausstellungsräume ist nicht zugänglich; ein anderer nur teilweise. Während der eine Einsicht auf die Kunst, die sich in ihm befindet, nur auf Entfernung gewährt, bietet der andere zumindest beschränkt Zutritt und damit Sicht auf und etwas mehr Nähe zu der sich hier befindenden Kunst. In dem dritten Raum befinden sich hochbeinige, auf Betrachterhöhe hingearbeitete Glasvitrinen. Hier läßt es sich bequem einsehen, und doch hält ein Glasumbau die Kunst vom Betrachter fern. Das Verhältnis der Kunst in dieser Ausstellung zum Raum, ob es sich nun um ein Zimmer oder um einen Glasvitrinenraum handelt, ist offensichtlich symbolisch, zum gegenseitigen Nutzen bestimmt. – Doch was sieht man?
Man sieht Weiß, weiße Räume zunächst. Auf dem schwarzen Fußboden des Raums, der nicht zu betreten ist, lagert ein schlichter weißer Mond, “Full Moon”. Als runde, leicht gewölbte Scheibe scheint er dicht über dem Schwarz zu schweben. In dem anderen Raum, in dem teilweise zugänglichen, steht eine weiße, konkav sich öffnende Mondsäule, “Moon Column”. In den Vitrinen befindet sich jeweils nur ein Gegenstand, “The Spherical Book”, 1989, etwa, oder “The Figure of Question”, 1989, eine schlanke, rund…