Kris Martin
Der Idiot ist mein Held
Ein Gespräch mit Michael Stoeber
Den Idioten zum Idol und zur Identifikationsfigur zu machen, ist sicher nicht jedermanns Sache. Für den belgischen Künstler Kris Martin ist es indes ganz selbstverständlich, sieht er in ihm doch nicht den Deppen oder Volltrottel, den wir gemeinhin in ihm sehen, sondern ganz im Sinne der etymologischen Bedeutung des ursprünglich griechischen Wortes jemanden, der ganz und gar seinem eigenen Kopf folgt. Der auf seinem Eigensinn beharrt und nicht denkt und handelt wie alle anderen. Damit zeichnet den Idioten in gewisser Weise aus, was auch einen guten Künstler ausmacht. Aus diesem Grunde hat Martin ihm – und zugleich sich – in seinem Werk ein Denkmal gesetzt. So, wenn er 2005 Dostojewskis berühmten Roman „Der Idiot“ von Hand abschreibt und den Namen des sanftmütigen Helden, des Fürsten Myschkin, durch seinen eigenen ersetzt. Oder wenn er 2006 in „Idiot II“ sein eigenes Porträt in der Manier eines Herrscherbildes einer Münze einprägen lässt. 2008 unternimmt er mit der von ihm erfundenen Maßeinheit „1 Idiot“ gar den Versuch, ihn gleichsam zum Maß aller Dinge zu machen. Ein Jahr zuvor hat er auf einen verkrüppelten Stock, dessen Aussehen an Immanuel Kants berühmten Befund erinnert „Der Mensch ist aus so krummen Holz gemacht, dass nichts Gerades daraus gezimmert werden kann“, den Satz geschrieben: „This is the Perfect Stick to Hit an Idiot With.“ Und in 2010 stellt Kris Martin Kieselsteine, deren Äderungen Buchstaben erkennen lassen, zu dem Satz zusammen: „I Am not an Idiot“. Liest ihn der…