Barnett Newman, Schriften und Interviews
Man könnte Barnett Newmans Schriften neu lesen. Aus der Sammlung seiner Texte spricht die Konzentration und Direktheit, mit der er sich hier dem Schreiben wie da der Malerei zuwandte. Die Schriften beleuchten das Werk Newmans nicht allein durch die zuweilen widerspruchsvollen und enigmatischen kunsttheoretischen Reflexionen, ebenso, vielleicht mehr, indem sie einen Eindruck von seiner Person vermitteln, von seinem scharfen Witz, seiner Streitlust, seinem trockenen Pathos. Die unbefangene Lektüre stellt Newman frei von der Vereinnahmung seines Werkes durch eine Entwicklungslogik der modernen Malerei, in deren Konstrukten er und Pollock als Schlußsteine gebraucht werden. Die antiinstrumentelle politische Haltung New-mans – er stand dem Anarchismus Kropotkins nahe -, seine scharfe Trennung von Kunst als Ausübung von Freiheit und visueller Kultur sind Grundmotive seines Denkens und Handelns, die eine Befragung seines Werks, die über die formalistische Analyse hinausginge, nahelegen. Die Malerei als sinnloser Akt und Provokation von Freiheit im Hier und Jetzt, in dem Raum vor der abstrakten Geschlossenheit der von den zips – wie Newman die senkrechten Streifen nennt – akzentuierten Maloberfläche, dem Raum, der auch der des Betrachters ist, – dies ist eher das Bild, das Newmans Schriften von seiner Arbeit entwerfen.
Die amerikanische Ausgabe der ‘Selected Writings and Interviews’ erschien 1990, seit letzten Herbst liegt die deutsche Übersetzung vor. Die Textauswahl ist identisch. Die Zerstückelung der Äußerungen New-mans durch ihre unsinnige Anordnung in der amerikanischen Ausgabe wurde zugunsten der naheliegenden rein chronologischen Folge der Texte aufgegeben, was drei Phasen der Geschichte Newmans deutlicher sichtbar macht: die aktiven vierziger…