Band 245, 2017, Titel: Kunst lernen?, S. 132

Bezalel Academy of Arts and Design, Jerusalem

Synergien zwischen Kunst und Handwerk
von Tanja Klemm

Im Alten Testament ist Bezalel ein angesehener Kunsthandwerker, dem Gott Weisheit, Klugheit und die Kenntnis schenkt, Pläne zu entwerfen und sie (in Gold, Silber, Kupfer, Stein oder Holz) umzusetzen. Ferner stattet er den Mann – dessen Name so viel wie „Im Schatten Gottes“ bedeutet – mit der Gabe aus, diese Fähigkeiten auch an andere weiterzugeben. Berichtet wird von ihm im zweiten Buch Mose (Ex. 35, 30), dort, wo der Prophet Bezalel beauftragt, das Heiligtum des Wüstenzugs, die Bundeslade, anzufertigen. Nach wie vor ist das stilisierte Motiv der Bundeslade das Logo der Bezalel Academy of Arts and Design, allerdings dynamisiert, indem es die streng symmetrische Bildvorlage aus dem Jahr 1914 leicht aus der senkrechten Achse nach rechts kippt.  

Als der bulgarische Hofbildhauer Boris Schatz die Kunstgewerbeschule Bezalel 1906 gründete, verfolgte er gleich mehrere Ziele. Neben der kunsthandwerklichen Ausbildung junger Leute in Jerusalem sollte die Schule „eine originär hebräische Kunst entwickeln, die zionistische Bewegung künstlerisch unterstützen und die darniederliegende jüdische Wirtschaft in Jerusalem ankurbeln.“1 Der Markt für kunstgewerbliche Produkte für Pilger und Touristen, meist dekorativer und religiöser Natur, blühte zu dieser Zeit bereits in den jüdischen Gemeinden Jerusalems – was die Schule von Bezalel allerdings auszeichnete, war der gleichzeitige Anspruch, Zentrum einer nationalen jüdischen Kunst zu werden.2  

Es entwickelte sich in Bezalel in den nächsten Jahren eine genuine Mischung aus traditionellem Kunsthandwerk, das vor allem die Einwanderer aus dem Nahen Osten beherrschten und europäisch orientierter Kunstausbildungspraxis: Die Studenten übten sich im zeichnerischen Naturstudium, in der Ornamentik (der Jugendstil beherrschte die frühen Jahre in Bezalel), in der Elfenbeinschnitzerei, aber auch der Lithographie oder Malerei, sie besuchten Kurse in Kunstgeschichte, Perspektive und Anatomie. Sie erlernten traditionelle handwerkliche Fertigkeiten in Goldschmiede-, Keramik- oder Textilwerkstätten. Die Werkstätten waren entweder unabhängig oder sie befanden sich in der Schule selbst.3 Ikonographisch bestimmte die jüdische Tradition die Arbeiten, sie reichten von sakralen Objekten und Souvenirs bis hin zu Gemälden und Druckgraphiken.4  

Lesen Sie diesen und alle weiteren Artikel der Ausgabe sowie alle Inhalte der bisher 247 erschienen Bände im KUNSTFORUM Probe-Abo. Mehr erfahren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, loggen Sie sich hier ein: Anmelden

Autor
Wichtige Personen in diesem Artikel
Weitere Personen
Adi Fluman

* 1987, Israel

weitere Artikel zu ...

Boris Schatz

* 1866, Varniai , Litauen; † 1932 in Denver, Verein. Staaten

weitere Artikel zu ...

Adi Stern

* 1966

weitere Artikel zu ...