Band 244, 2017, Titel: Die neue Auftragskunst, S. 148

Kasper König

Ausstellungsmacher

Ein gefährliches Spiel

Ein Gespräch von Sabine B. Vogel

Prof. Dr. h.c. Kasper König ist Ausstellungsmacher und zeigte zahlreiche Ausstellungen, u.a. 1966 Claes Oldenburg und 1968 Andy Warhol im Moderna Museet Stockholm, Westkunst 1981 in den Kölner Messehallen. König ist Mitinitiator der Skulptur Projekte Münster 1977, war 1988 – 2000 zunächst Professor, dann Rektor an der Städelschule in Frankfurt, von 2000 – 2012 Direktor des Museum Ludwig in Köln. König war Kurator der Manifesta 10 in St. Petersburg 2014 und ist 2017 erneut künstlerischer Leiter der Skulptur Projekte Münster, die er 1977 mit begründete.  

Kasper König: Der Begriff Auftragskunst hat ja erst einmal ein schlechtes Omen. Ich glaube, dass diese Überheblichkeit einer Revision bedarf, weil die Nichtauftragskunst ja oft undercover im Auftrag des Kunstbetriebes hergestellt wird. Zweidrittel was man hier sieht (A.d.V., auf der Art Cologne 2016) ist wirklich erbärmlich. Insofern ist es interessant, wenn Künstler sich selber als ihre eigenen, fiktiven Auftraggeber verstehen, d.h. auch verstehen, dass sie Unternehmer sind, mit einem bestimmten Risiko. Aber letztlich lässt sich darüber trefflich rumlabern – the proof is in the pudding.  

Sabine B. Vogel: Aber es gibt ja jede Menge Künstler, die direkte Aufträge annehmen.  

Ja, es gibt welche, die unentwegt commissions machen, bei Wettbewerben mitmachen, dann werden sie gefragt, hier und da etwas zu verändern, und wenn sie dann zur Bank gehen, um sich Geld zu holen oder etwas zu besorgen, dann machen sie extra Umwege, um ihre Werke nicht sehen oder daran erinnert werden zu müssen. Denn damit ist das Ferienhaus schon längst bezahlt.  

„Aber man muss aufpassen, weil es mittlerweile so viele Bildhauer gibt, die Mengen von Assistenten haben und nur noch sehen müssen, die Auftragsbücher zu füllen, um den Laden zu erhalten.“

Gibt es nicht auch Auftragskünstler, die kaum noch mit etwas anderem sichtbar werden wie Tobias Rehberger?  

Das ist bei Rehberger interessant, weil das ein gefährliches Spiel ist. Ich kenne Rehberger sehr gut, weil wir gleichzeitig an die Städelschule gekommen sind. In Münster hat er die grauen Schaltkästen neu gestaltet – manchmal gefällt mir das sehr gut, manchmal finde ich es grauenhaft, das hängt ab von meiner Stimmung. Aber es schafft es, damit Orte zu machen, an denen Kids abhängen, und das ist doch was.  

Inwiefern ist es ein „gefährliches Spiel“?  

Die Kunst ist auf der Kippe. Aber er thematisiert diese Situation ja in seiner Kunst.  

Wie meinen Sie den Künstler als Unternehmer, im Sinne einer Selbstökonomisierung?  

Nein nein, mehr in einem Judd’schen Sinne. Aber man muss aufpassen, weil es mittlerweile so viele Bildhauer gibt, die Mengen von Assistenten haben und nur noch sehen müssen, die Auftragsbücher zu füllen, um den Landen zu erhalten. Es gibt supererfolgreiche Künstler, die seit 15 oder auch 30 Jahren dasselbe machen, deren Skulpturen stehen überall vor Versicherungen und so herum. Und dann haben die Künstler noch die Ambition, ernst genommen zu werden … Ich erlebe gerade ein Stalking von übererfolgreichen Künstlern, die auch nach Münster eingeladen werden wollen. Gerade die brauchen die Legitimation von einer alle zehn Jahre stattfindenden Ausstellung, die was ganz anderes vorhat.  

Sind Skulptur Projekte Münster nicht auch eine Auftragssituation?  

Ja, aber da spielen wir die Karte zurück an die Künstler und sagen, wir stützen euch in dem Risiko, etwas zu machen, aber bitte denkt daran, dass es nicht bleiben wird – das ist sehr anders. Und jene Beiträge, die sich nicht darauf versteifen zu bleiben, haben eine Chance zu bleiben.  

Autor
Sabine B. Vogel

* 1961, Essen, Deutschland

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Kasper König

* 1943, Mettingen, Deutschland

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Tobias Rehberger

* 1966, Esslingen, Deutschland

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