Band 241, 2016, Ausstellungen: Bonn, S. 350

Sabine Elsa Müller

Juergen Teller

»Enjoy Your Life!«

Bundeskunsthalle, Bonn, 10.6. – 25.9.2016

Dieser Juergen Teller schreckt vor nichts zurück – denn wer anderes als der Meister selbst mag sich da mit vollem Körpereinsatz nackt auf dem Flügel wälzen, auf dem Charlotte Rampling gerade eine federleichte Komposition zu Gehör bringt. Sie ist bekleidet aber barfuß, so dass man ihre schönen Füße sehen kann. Die elegante und ins Klavierspiel versunkene Charlotte Rampling, ein Flügel und ein sehr exponiert in die Kamera gereckter Männerhintern – eine seltsamere Kombination lässt sich kaum denken. Natürlich ist das provokant, aber vor allem ist es lustig. Man hat den Eindruck, die beiden spielen mit der Ernsthaftigkeit großer Kinder ein besonderes Spiel.  

Es wäre nicht das erste Mal, dass der Fotograf Juergen Teller auf einem eigenen Foto, oder wie in diesem Fall, einer Videoarbeit selbst auftaucht. Eine der neuen Serien, aus denen sich die Bonner Ausstellung zusammensetzt, trägt den launigen Titel „Mit dem Teller nach Bonn“. Sie wurde im Kanzlerbungalow aufgenommen und kreist in freier Assoziation um eine Geschichte, die Juergen Teller als junger Mann erlebte. In ihr spielte ein Esel eine Rolle und natürlich taucht auch ein lebendiger Esel in dieser Fotoserie auf. Und Juergen Teller, der nackt auf diesem Esel durch den Kanzlerbungalow reitet. Er ist häufig sein eigener Protagonist. Seine Person, sein Leben, seine Familie, seine Geschichte bilden so etwas wie ein Leitmotiv seiner Arbeit – nicht nur in dieser Ausstellung.  

Da er aber nicht überall mit dabei sein kann, hat er sich vervielfacht in einen Gegenstand, der seine Person stellvertretend mit ins Bild hereinholt. Das ist, so aberwitzig es klingt, der Teller. Es zeigt sich, dass ein weißer, runder Porzellanteller einen wunderbaren Fixpunkt abgibt für ein gutes Foto. Der Blick wird von dem kreisrunden, banalen Ding subtil justiert. Eine bedeutungslose Mitte, um die herum sich eine Geschichte abspielt. Eine Leerstelle, ähnlich wie das Loch in der Mitte einer Schallplatte. Die posierenden Personen lassen sich zu den Tellern in ihren Händen allerhand einfallen oder handhaben sie als betont lässige Accessoires wie eine perfekte Handtasche. Dann wieder wird der Teller zum Präsentierteller, mit dem sich einzelne Dinge – oder ein Kopf – besonders hervorheben lassen. Schließlich lässt sich der Teller auch bedrucken. Schon am Eingang sorgt das auf einen riesigen Teller aus Fiberglas aufgedruckte Foto eines Babys mit weit aufgerissenen Augen bei dem unvorbereiteten Besucher für einen gelinden Schrecken.  

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Autor
Sabine Elsa Müller

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Juergen Teller

* 1964, Erlangen, Deutschland

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