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In eigener Sache

Zum Tod unseres Korrespondenten Fabian Stech in Paris

Fabian Stech. Foto: Yan Pei-Ming

Wir trauern um unseren Autor und Frankreich-Korrespondenten Fabian Stech. Er wurde bei dem Anschlag im Pariser Musikclub „Bataclan“ getötet. Der 1964 in Hannover geborene und umtriebige Kritiker, Buchautor, Fotograf, Übersetzer und Lehrer an der Privatschule Les Arcades in Dijon promovierte in Philosophie an der FU Berlin über das „Verhältnis von Taktilität und Visualität in der Entwicklung zum fotografischen Sehen“. Er lebte seit 1994 in Frankreich und hinterlässt zwei Kinder. Zuletzt hatte er für Kunstforum International das große Gespräch mit Yan Pei-Ming geführt, aber auch seine Gespräche mit dem Kurator Jérôme Sans, den Künstlern Bertrand Lavier, John M. Armleder, John Baldessari und dem Galeristen Michael Werner sowie seine profunden Texte zu Pierre Huyghe, Louise Bourgeois, Damien Hirst, Thomas Struth, Wim Delvoye, Jeff Koons waren eine große Bereicherung. Sein Geist und sein Auge werden uns fehlen.

Kulturpolitik

Prag: Protest mit Wassereinfärbung

Josef Manes (1820-1871) war ein Maler der Romantik und galt im späten 19. Jh. als tschechischer Nationalkünstler. Nach íhm ist die 1887 gegründete Künstlervereinigung "Spolek výtvarných umělců Mánes" benannt und das von dieser Gruppe 1928/30 zu Ausstellungszwecken hergerichtete Saalgebäude in Prag. Heutiger Besitzer ist die Tschechische Stiftung für bildende Kunst, doch die hat den Manes-Ausstellungssaal an einen Händler mit Sportschuhen vermietet und will dem Anschein nach das Gebäude weiter vermarkten. Gegen derlei Zweckentfremdung zugunsten einer kommerziellen Nutzung protestierte die Künstlergruppe "Bolt958". Sie färbte das Wasser der Moldau rot ein, um damit ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, den Ausstellungssaal wieder für künstlerische Projekte zu reservieren.

Galerien & Auktionshäuser

Galerie Ropac: neue Kuratorin für London

Julia Peyton-Jones, langjährige Co-Direktorin der Serpentine Gallery in London, wird im September 2017 „Senior Global Director“ der Galerie Thaddaeus Ropac, die Adressen in Salzburg, Paris und London unterhält. Sie übernimmt in London repräsentative und kuratorische Aufgaben. Die frühere Museumsdirektorin wurde von der Queen mit dem Titel „Dame Commander“ in den Ritterstand erhoben. In den 1970er Jahren studierte sie Malerei; zwei ihrer Bilder hängen heute noch in der Bank of England, doch ab 1988 schlug sie dann die Laufbahn als Kuratorin ein. www.ropac.net

Preise

Roter Reiter Kunstpreis

Helmut Mühlbacher, Foto: Copyright Amelie Niederbuchner

Helmut Mühlbacher freut sich über die Verleihung des „Roter Reiter Kunstpreises“, den Landkreis, Stadt und Kunstverein Traunstein gemeinsam vergeben. Die Auszeichnung gilt Mühlbachers interaktiver und performativer Skulptur „…and you“. Zusammen mit Cosima Strähhuber hält Mühlbacher in Traunstein regelmäßig „Kunstsprechstunden“ ab. Darunter versteht er ein „Gesprächs- und Diskussionsforum für aktuelle Kunst- und Gestaltungsfragen“, zu dem jeweils ein Künstler eingeladen wird. Zuletzt referierte dort Johannes Stüttgen über die Idee der Sozialen Plastik von Joseph Beuys. www.kunstsprechstunde-ts.de

Ausschreibungen

Obernkirchner Bildhauersymposium

Das nächste Internationale Obernkirchner Bildhauersymposium wird vom 30. Juli - 12. August 2018 auf dem Kirchplatz von Obernkirchen veranstaltet. Einjuriert werden etwa 10 Künstler. Die Unterbringung mit Frühstück und Mittagessen erfolgt in Privatunterkünften; Reisekosten werden erstattet. Außerdem gibt es ein Handgeld von 60 Euro/Tag. Der Ausrichter stellt Steine aus Obernkirchner Sandstein zur Verfügung. Die Werke bleiben Eigentum des Künstlers, müssen der Stadt aber für zwei Jahre als Leihgabe überlassen werden. Bewerbungen sind bis zum 31. Oktober 2017 möglich. Infos und Download Bewerbungsformular unter www.iobs.de/images/iobs/pdf/2018_bewerbungsformular-1.pdf

Ausschreibungen

Stiftung Erlebnis Kunst

Die Stiftung Erlebnis Kunst unterstützt künstlerische und kunstpädagogische Vermittlungsarbeit im Bereich Bildende Kunst, Theater, Musik und Neue Medien. Die unterstützten Projekte sollen die Kunstwerke, das Wissen um diese und Möglichkeiten eigener Erfahrungen im künstlerischen Handeln und Interpretieren erlebnisintensiv und nachhaltig in Zusammenhang bringen, zum Beispiel in intermedialen Verbindungen oder mittels besonderer pädagogischer Vermittlungskonzepte. Gefördert werden insbesondere Projekte, die ein kreatives, innovatives, originäres und reflektiertes Konzept im Umgang mit Kunst und interpretierender Erfahrung erkennen lassen. Deadline ist der 30. Sept. 2017. Infos und Bewerbungsformular unter www.stiftung-erlebnis-kunst.de/

Preise

Kunstpreis Alexander Bürkle

Judith Kakon, Foto: Courtesy Kunstraum Alexander Bürkle, Freiburg

Judith Kakon wird mit dem Kunstpreis Alexander Bürkle ausgezeichnet, der von einem Elektrogroßhandel ausgelobt und in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Freiburg verliehen wird (10.000 Euro). Eine Ausstellung mit der Preisträgerin findet bis zum 5. November 2017 im Kunsthaus L6 der Stadt Freiburg statt. Judith Kakon übersetzt „Sachverhalte nach einem langen Recherche-Prozess in vielschichtige Kunstwerke. Häufig geht es ihr dabei um eine subtile Analyse des globalen Handels. In mehrteiligen Installationen verortet sie ihre eigene Stellung, ihr Abwägen und Entscheiden als zeitgenössische Künstlerin im 21 Jahrhundert.“ www.kunstraum-alexander-buerkle.de

Personalien

Jürgen Wilde: Runder Geburtstag

Jürgen Wilde, Sammler und Stifter Jürgen Wilde, feierte seinen 80.Geburtstag. Seit den 1960er-Jahren hat er gemeinsam mit seiner Frau Ann Wilde sich dafür engagiert, der Fotografie im Kulturbetrieb mehr Anerkennung zu verschaffen. „Zu einer Zeit, als noch wenige europäische Museen und Sammler die Bedeutung der Fotografie als künstlerisches Medium der Moderne erkannt hatten, gründeten sie 1972 in Köln die erste professionelle, auf Fotografie spezialisierte Galerie Deutschlands.“ Dabei ist ihnen die Wiederentdeckung von vergessenen Fotokünstlern1920er- und 1930er-Jahre wie Florence Henri, Werner Rhode, Germaine Krull, Alfred Ehrhardt und Moï Wer zu verdanken. 1977 waren sie mit Klaus Honnef an der Vorbereitung für die Abteilung Fotografie auf der documenta 6 beteiligt. „Gleichzeitig bauten Ann und Jürgen Wilde eine umfangreiche Sammlung zur modernen und zeitgenössischen Fotografie auf und begründeten die beiden Künstlerarchive zu Karl Blossfeldt und Albert Renger-Patzsch. Nach der Schließung der Galerie 1985 konzentrierten sie sich schwerpunktmäßig auf die Erforschung von Leben und Werk Blossfeldts und Renger-Patzschs und die Erweiterung der Künstlerarchive...“. Die Sammlungsbestände und Archive der Stiftung Ann und Jürgen Wilde, sind seit 2010 den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angegliedert. www.pinakothek.de

Museen & Institutionen

Jorieke Tenbergen im Museum Folkwang Essen

Jorieke Tenbergen “Landscape with cloudy sky”, 2017 Polyester Jetflag, ca. 4,7 x 7,0 m © Jorieke Tenbergen

Das Museum Folkwang Essen bietet vom 24. August bis zum 8. Oktober 2017 einen Einblick in das Werk der Künstlerin und Designerin Jorieke Tenbergen. "Sie setzt sich in ihrer Arbeit „CAUTION! CONTAMINATED CONTEXT II“ mit der Umdeutung von Inhalten und der Verschiebung von Sinnzusammenhängen auseinander. Tenbergen sammelt, was ihr in Printmedien oder digital begegnet und setzt dies in textile Montagen um. Für die vierte Präsentation des Ausstellungsformats „6 ½ Wochen“ entwickelt die Niederländerin fünf Modestücke, sogenannte Collection Pieces, die sie im Ausstellungsraum installiert. Am Donnerstag, 31. August, 18.30 Uhr, findet anlässlich der Präsentation ein Walking Act mit den Entwürfen der Künstlerin statt. Die Bildhauerin, Soundperformerin und Installationskünstlerin Julia Bünnagel spielt dazu ein Live-Set mit modifizierten Schallplatten. Der Eintritt ist frei. Das Format „6 ½ Wochen“ basiert auf kurzfristiger Planung und stellt unkompliziert und spontan künstlerische Positionen vor. Der Ausstellungsraum liegt zentral im Foyer des Museum Folkwang und wird bis zu sechs Mal im Jahr mit neuen Entdeckungen und aktuellen Fragestellungen bespielt." www.museum-folkwang.de

Aktionen & Projekte

Globale Kunst in Aachen

Nora und Jürgen Claus, Foto: S. Kallnbach

Ab Oktober 2017 findet jeweils am ersten Freitag im Monat bei „project.claus“ in Aachen (Kuckhoffstrasse 39, jeweils von 18:30 bis 20:30 h, UKB: 25 Euro pro Seminar) unter der Leitung von Prof. Jürgen Claus ein Seminar über „Globale Kunst“ statt, begleitet von umfangreichem Bild-und Tonmaterial. Die Themen bis Jahresende 2017 lauten „Frauenkunst und Gesellschaft: Gibt es feminine Bilder?“ (6. Oktober 2017), „Kann Kunst das Klima retten?: Forschung auf brechendem Eis“ (ausnahmsweise Sa., 4. Nov. 2017 in der Aachener Galerie 45), „West-östliche Spiegelungen: Der nahöstliche und der asiatische Kunstraum“ (1. Dez. 2917). Infos und Anmeldung: Tel. 0241- 565 279 35 Tel. 0176-20 84 03 84, jurclaus@euregio.net.

Museen & Institutionen

Köln: Hommage à Louise Straus-Ernst

Louise Straus-Ernst, ca. 1916, Foto aus Nomadengut, Hannover 2000, Pressefoto zur Ausstellung

Louise Straus-Ernst, seit 1918 mit Max Ernst verheiratet, hatte als erste Frau an der Bonner Universität 1917 in Kunstgeschichte promoviert und nach dem Tod des Direktors 1919 kommissarisch die Leitung des Kölner Wallraf-Richartz-Museums übernommen. Schon 1917 hatte sie dort eine Ausstellung "Alte Kriegsdarstellunegn" mit Grafiken von Dürer, Goltzius, Callot u.a. kuratiert. "Der Direktor war alt und träge und nur froh, wenn man  ihn in Ruhe ließ", notierte sie über diese Zeit in ihrer Autobiografie "Nomadengut". Da der Dada-Künstler Max Ernst zu jener Zeit kaum Geld verdiente, trug sie Anfang der 1920er Jahre wesentlich zu der Ernährung der Familie bei - als Journalistin, aber auch als Strumpfverkäuferin in einem Kaufhaus. 1933 musste sie eine Rede für den Kölner Oberbürgermeister zu einer Vernissage im Kölnischen Kunstverein schreiben. Eigentlich hätte der OB Konrad Adenauer diesen Termin wahrnehmen sollen, doch die Nazis hatten ihn am 13. März 1933 frühmorgens abgesetzt. Sein Nachfolger Günter Riesen (NSDAP) übernahm den Vernissagen-Termin. Louise Straus-Ernst stand im Publikum und "hörte zu, wie der Herr in der braunen Uniform meine Eröffnungsrede hielt. - Hätte er geahnt, dass er seine erste Amtshandlung mit Hilfe einer Jüdin vornahm!..." Louise-Straus-Ernst wurde 1944 im KZ Auschwitz ermordet. Das Wallraf-Richatz-Museum Köln zeigt noch bis zum 10. September 2017 die Rekonstruktion der Ausstellung von 1917 "In Erinnerung an Louise Straus–Ernst". Zu sehen sind eine "Auswahl von 64 der damals ausgestellten Werke und zehn aktuelle Arbeiten von Louisa Clement, die sich mit der medialen Präsenz und Allgegenwärtigkeit heutiger Kriegsdarstellungen auseinander setzen, sind jetzt im Graphischen Kabinett des Wallraf zu sehen. Die Schau fragt nach der Motivation, mit der sich Straus-Ernst dem Thema „Krieg in der Kunst“ widmete, und skizziert dabei gleichzeitig die unterschiedlichen Facetten einer außergewöhnlichen Persönlichkeit..." www.museenkoeln.de

Aktionen & Projekte

Hamburg: WÄLDERHAUS

Ai Weiwei, „Tree“, Baum in der Ausstellung im WÄLDERHAUS, Foto: Copyright Barbara Makowka

Im Rahmen der IBA-Baustellung entstand in Hamburg-Wilhelmsburg am Inselpark ein WÄLDERHAUS. „Es wurde ökologisch gebaut und ist ein Inklusionsbetrieb. Tagungsräume, Restaurant, Hotel sowie das Science Center mit einer Waldausstellung befinden sich alle unter einem Dach. Das Thema Holz zieht sich durch das gesamte Gebäude.“ Vom 1. September 2017 bis zum 14. Januar 2018 findet dort die Ausstellung „Der Baum als Kunstwerk“ statt. Herzstück ist Ai Weiweis Beitrag „Tree“, Werk Tree als „Symbol für seine Familie..., die, wie viele andere, von der Politik zerrissen wurde und neue Wurzeln schlagen musste. In der Ausstellung... sollen Beziehungen zwischen Mensch und Natur dargestellt werden.“ Künstlerliste: Joseph Beuys, David Nash, Ai WeiWei, Michael Sailstorfer, Guiseppe Penone, Rikuo Ueda, Bryan Nash Gill, Donna Ong, Herbert Golser, Johannes Domenig, Mirko Zrinscak, Lois Wagner, Sam van Aken und Carl Andre. www.waelderhaus.de

Museen & Institutionen

Zürich: Rebel Videos

Auf die 1968er-Protest- und Hippiebewegung folgte um 1980 die nächste Generation der Punks und der Aktivisten mit politischen Aktionen und einer eigenen Jugendkultur, die sich von den Werten des Bürgertums abgrenzte. Eine Alternativkultur hatte sich mit eigenen Läden und Cafés etabliert; die neuen sozialen Bewegungen der Umweltschützer, Feministinnen und Pazifisten gingen massenhaft auf die Straße - Bonn erlebte im Oktber 1981 mit den 300.000 Teilnehmern der Friedensbewegung eine der größten Kunstgebungen der Nachkriegsgeschichte. Wie es in jener Zeit in London, Basel, Bern, Lausanne und Zürich zuging und wie die Aktionen in Videos festgehalten wurden, dokumentiert die Ausstellung "Rebel Video -Generation in Bewegung" vom 18. August bis zum 15. Oktober 2017 im Schweizerischen Nationalmuseum Zürich: "Züri brennt" betitelte der Videoladen Zürich 1981 sein Video über die Jugendunruhen in der Bankenstadt. Deren Stadtregenten waren erst nach und nach zu Zugeständnissen bereit und förderten die Bereitstellung alternativer Kulturräume wie wie "Rote Fabrik". www.nationalmuseum.ch

Museen & Institutionen

Donald Trump als Schauspieler

Deutsches Filmmuseum Frankfurt, Foto: Uwe Dettmar / Quelle: Deutsches Filminstitut

Entsetzen herrscht weltweit über Donald Trumps halbherzige verbale Reaktion auf den Anschlag von Charlotteville und über sein außenpolitisches Muskelspiel gegenüber Nordkorea, das die pazifische Region an den Rand eines Krieges bringt. Wirkt im Weißen Haus ein Präsident oder nur ein Präsidentendarsteller? Im Deutschen Filmmusuem Frankfurt hielt soeben der Filmwissenschaftler Urs Spörri einen Vortrag über "Donald Trump als Schauspieler" und belegte anhand von zahlreichen Filmausschnitten, dass der heutige US-Präsident in früheren Jahren 25 Schauspieleinsätze absolvierte. "Oscar"-reif war das alles freilich nicht, denn 1991 erhielt Trump sogar die "Goldene Himbeere" für die "schlechteste männliche Nebenrolle" in John Dereks Film "Ghosts can do it". Nach Spörris Vortrag wurde der Film "Donald Trump's The Art of the Deal: The Movie" gezeigt. In der fiktiven Verfilung von Trumps Bestseller, 1987 verfasst mit Hilfe eines Ghostwriters und von Trump selbst als das "zweitwichtigste Buch nach der Bibel" apostrophiert, spielt Johnny Depp den Immobilientycoon Donald Trump und karikiert auf satirisch brilliante Weise, wie dieser in seinem Buch mit narzistischer Attitüde eine Selbststilisierung zum erfolgreichen Businessman vornimmt. Ein Trailer zu diesem Film ist zu sehen auf www.youtube.com/watch?v=VJm-E38G3-0</p>

Biennalen

Oku Noto-Triennale

Neu ist die japanische Oku-Noto-Triennale, die vom 3.9. - 22.10. 2017 erstmals an der Nordküste Japans stattfindet. Einst war die Region für den Seeverkehr bedeutend, doch mit der zunehmenden Verlagerung des Transportwesens auf Landwege erlebte Suzu-City einen wirtschaftlichen Niedergang und einen Bevölkerungsrückgang von 38.000 Einwohnern im Jahre 1954 auf heute etwa 15.000. Die Biennale-Künstler sind aufgefordert, den „Charme“ der Gegend wieder zu entdecken. Ihre Werke werden im gesamten Umfeld von Suzu-City platziert. oku-noto.jp/en

Biennalen

Architektur-Biennale Venedig: Deutscher Beitrag

Illustration zur Ankündigung auf der Internetseite von GRAFt,Foto Credit Originalbild: Felix Torkar, Courtesy PR-Abteilung GRAFT

„Freespace“ lautet das Motto der nächsten Architektur-Biennale von Venedig (26. Mai bis zum 25. November 2018). Der deutsche Beitrag dazu trägt den Titel „Unbuilding Walls“ und wird von der Grünen-Politikerin Mariannne Birthler und dem Architektenbüro GRAFT mit dem Team mit Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit gestaltet. Birthler gehörte vor 1990 zur DDR-Opposition und war von 2000 bis 2011 Bundesbeauftragte für die Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdiestes der DDR. Zum Konzept der Ausstellung erläuterte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD), es ginge von einem Rückblick auf den Bau der Berliner Mauer 1961, die 28 Jahre lang die Stadt teilte bis zum Herbst 1989, und auf die Zeit danach, als nach einem geflügelten Wort Willy Brandts zusammen zu wachsen begann, „was zusammen gehört“. Somit setze „sich das Konzept mit architektonischen und stadträumlichen Beispielen der Trennung oder des Zusammenwachsens auseinander“, so Hendricks. „Die Ausstellung 'UNBUILDING WALLS' reagiert auf gegenwärtige Debatten über Nationen, Protektionismus und Abgrenzung. Während die Welt zusammenwächst, werden zunehmend Mauern diskutiert und errichtet, die Menschen voneinander trennen. Mauern können Spaltung, Macht und Ausschluss, aber auch Schutz bedeuten. „2018 ist Deutschland 28 Jahre vereint, exakt so lange, wie die innerdeutsche Mauer (1961-1989) bestand. Im Deutschen Pavillon nehmen GRAFT und Marianne Birthler diese Zeitengleiche zum Anlass, die Auswirkungen von Teilung und den Prozess der Heilung als dynamisches räumliches Phänomen zu untersuchen...“ www.labiennale.org

Aktionen & Projekte

Wien: The Future of Demonstration

Im „REAKTOR“ Wien findet der Auftakt einer „auf zwei Jahre angelegten Kunstserie“ statt, „die den aktuellen Wandel hin zu postglobalen Ökologien, Ökonomien und Gesellschaften künstlerisch thematisiert. Sie evoziert die politischen, sozialen, technologischen, pädagogischen und ästhetischen Gestaltungsvermögen, die der Begriff Demonstration dafür anbietet.“ Das Leitmotiv dieses ersten Teils lautet „Season 01 VERMÖGEN“; die Projekte dauern vom 31. Oktober bis zum 11. November 2017 und bewegen sich formal „zwischen Ausstellung und Symposion“. Der zweite Teil zu „The Future of Demonstration“ wird 2018 unter dem Leitmotiv „PASSION“ umgesetzt. Formal macht diese „Kunstserie“ Anleihungen bei populären Fernsehserien mit ihrer Einteilung in „Seasons“ (Staffeln) und „Episodes“ (Folgen). „Postglobale“ Strategien lassen sich griffigerweise an der Re-Nationalisierung von Politik festmachen, augenfälligerweise an Donald Trumps „America First“-Ideologie und seiner Entscheidung, dass die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen wollen, aber auch aus dem britischen „Brexit“-Votum und den zunehmenden Handelskonflikten Chinas mit seinen westlichen Partnern. Indes – diese Kunstserie thematisiert nicht jene eher vordergründige Realpolitik, die in faule und manchmal sogar höchst schäbige Kompromisse mündet, die ausgerechnet der SPD-Politiker Egon Bahr (1922-2015) einmal in die Worte fasste: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“ Mit diesem Zitat ließe sich z.B. auch das aktuelle Verhältnis der EU und speziell Italiens zur lybischen Küstenwache als ein Phänomen des postglobalen Zeitalters beschreiben, aber diese künstlerischen Demonstrationen kreisen auf einer eher grundsätzlichen Ebene um die Frage: „Was bedeutet Gesellschaft und Gemeinschaft, Zwischenmenschlichkeit und Dinglichkeit, Teilhabe und Überschreitung, Liebe und Begehren – Vermögen und Passion – angesichts heutiger postglobaler Transformationsprozesse?“ Da musste sich z.B. kürzlich der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei einer Diskussion mit LKW-Fahrern in Iowa den Vorwurf anhören, wenn die Computerindustrie selbstfahrende Trucks entwickele, vernichte dies die Arbeitsplätze der Fernfahrer. Die „Future of Demonstration“-Initiatoren Sylvia Eckermann und Gerald Nestler haben zur Reflexion solcher aktueller Entwicklungen und Umbrüche „eigens künstlerische Formate entwickelt. Im Fokus steht dabei nicht Kritik und Hinterfragung als negative Abgrenzung. Vielmehr werden Plattformen geschaffen, durch die Kompetenzen aus Kunst, Performance, Film, Architektur, Theorie und Wissenschaft verschränkt werden“. Ein Vergleich zum politischen Charakter – und den politischen Ansprüchen – der diesjährigen Kasseler Documenta bietet sich an, wenn es heißt, diese Projektreihe setze sich zum Ziel, „die Geschichte(n) neu denken (zu) lassen. Fiktion dient als Realisierungsmaschine, die uns in die Lage versetzt, Begriffe umzudeuten, Prozesse freizusetzen und Technologien wie Ideologien umzuwerten. Denn es gilt, neue und andere Ästhetiken und Deutungen zu gestalten, die Wirklichkeiten öffnen, anstatt eine kalkulierte Wirklichkeit regulativ durchzusetzen.“ Die erste Staffel ist in fünf Episoden unterteilt: Zum Auftakt beschäftigen sich die Teilnehmer ab dem 31. Oktober 2017 mit „forensischer Architektur“. In den weiteren Folgen stehen u.a. Xenofeminismus und Robotik auf dem Programm, eine „synthetische Zukunft“ und eine „biotechnologische Zukunftsschau“ und zum Schluss im November die „Verbrennung des Geldes“. thefutureofdemonstration.net/index.html

Museen & Institutionen

Agnes Meyer-Brandis: Wolkenkerne, Mondgänse und Wanderbäume

The Astronauts, Videostill, Moon Goose Colony, 2011 @ Agnes Meyer-Brandis, VG-Bild Kunst 2016

Die deutsche Künstlerin Agnes Meyer-Brandis "entwickelt ein poetisches Spiel zwischen Wissenschaft und Kunst." „Wolkenkerne, Mondgänse und Wanderbäume“ ist vom 7. September bis zum 12. November 2017 ihre erste grosse Einzelausstellung von  in der Schweiz, und zwar im Haus der elektronischen Künste Basel. Als künstlerische Strategie setzt sie "phantastische Realitätsanwendungen" ein: "In ihren Installationen und Videos konfrontiert sie uns mit bisher unbekanntem Terrain und scheinbar Unmöglichem, das den bekannten physikalischen Gesetzen trotzt und unsere Wahrnehmung und Wissen ins Wanken bringt. In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Fragen und Herangehensweisen geht es ihr um die „Erfahrbarmachung von Möglichkeitswelten“. Analoge und digitale Medien werden dabei zu Werkzeugen für die Inszenierung ihrer Erfahrungs- und Denkräume..." www.hek.ch/programm/events/event/agnes-meyer-brandis.html

 

Aktionen & Projekte

Darmstadt: Waldkunst

Kim Goodwin, Rock Roots (Stonehenge Farm in the Tankwa Karoo, GNAP South Africa 2016) Fotograf: Louis Bolton

Ute Ritschel kuratiert auch in diesem Jahr wieder das Darmstädter Waldkunst-Festival, diesmal als "Global Nomadic Art Project" zusammen mit dem UNESCO Global Geopark Bergstraße-Odenwald unter der Verantwortung von Jutta Weber. Eine Ausstellung mit einer Fotodikumentation der Beiträge ist unter dem Titel „Urban Nature Art“ vom 2. bis zum 29. September 2017 in Darmstadt im Internationalen Waldkunstzentrum zugänglich. Zwanzig Künstler schaffen in 16 Workshops vergängliche Kunstwerke „an vielen Orten in und um Darmstadt“, Während der Ausstellungsdauer sind für die „Mittwochsforen“ Kurzvorträge der beteiligten Künstler angekündigt. www.waldkunst.com

Aktionen & Projekte

Bill Viola in Kopenhagen

Bill Viola, Inverted Birth (detail), 2014. Video/sound installation, 8:22 Minuten. Performer: Norman Scott. Foto: Kira Perov. Courtesy Bill Viola Studio. Privatsammlung

Bei Copenhagen Contemporary ist Bill Violas Video-Installation "Inverted Birth" (2914) erstmals in Dänemark zu sehen, und zwar vom 29. August bis zum 26. November 2017. Copenhagen Contemporary ist eine unabhängige Initiative, die in der dänischen Hauptstadt ein Zentrum für experimentelle Künste etablieren will. Jens Erik Sørensen, Projektdirektor des Zentrums, pflegte seit langen eine enge berufliche Freundschaft mit dem Künstler Viola. Gleichzeitig hat der Videokünstler auch noch bis zum 10. Septemner 2017 eine große Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen. "Inverted birth" ist eine fünf Meter hohe Instalkation mit der Aussage, dass die geburt nicht der Anfang ist und der Tod nicht das Ende. www.cphco.org

Aktionen & Projekte

Graz: Hands on

Hands on mit Sitz in der österreichischen Stadt Graz ist eine Non-Profit-Organisation zur Förderung des Kontakts zwischen Kindern und Museen. Das Netzwerk besteht derzeit aus 120 Mitgiedern aus 40 Ländern. Große Organisationen sind ebenso Mitglied wie einzelne Museumspädagogen. "Wir bemühen uns, Museen und Wissenschaftszentren für Kinder zu etablieren, das Feld der Kindermuseen zu professionalisieren und unsere fachliche Kompetenz miteinander zu teilen", lautet das Credo. U.a. richtet die Initiative regelmäßig Kongresse aus. Nach dem letzten Kongred im Juni 2017 in Poto (Portugal) findet die nächste Vortragsreige vom 11. bis zum 14. Oktober 2017 in verschiedenen Städten Tschechiens statt. www.hands-on-international.ne

Museen & Institutionen

Hannover: Zwei Ausstellungen in der Kestner-Gesellschaft

Marc Camille Chaimowicz, An Automn Lexikon, Installationsansicht Serpentine Gallery London, Foto: Hugo Glendinning

Die Kestner Gesellschaft Hannover startet am 29. September 2017 mit zwei neuen Ausstellungen in die Herbstsaison. Der in Londoner Künstler Marc Camille Chaimowicz präsentiert mit »One to one...« Interieurs zwischen Kunst und Design. Seit den 1970er Jahren erforscht er "in seiner Arbeit den Raum zwischen Dekoration, Leben und Kunst. Er entwickelt in seinem Œuvre Interieurs und Raum-Arrangements sowie verschiedene Einrichtungsgegenstände, zum Beispiel Gemälde, Vasen, Vorhänge, Möbel, Tapeten oder andere Raumobjekte. In seiner Kunst lässt Chaimowicz die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum verschwimmen. Seine Formensprache lehnt sich an die französische Malerei der sogenannten »Intimisten« – wie Pierre Bonnard oder Édouard Vuillard – in den 1890er Jahren an..." Für die zweite Ausstellung hat das Künstlerkollektiv Studio for Propositional Cinema hat 31 Künstlerinnen und Künstler eingeladen, eigene Werke zum Thema Wahrnehmung von Kunst in der Ausstellung »in relation to the Spectator:« zu präsentieren, darunter Lawrence Weiner, Jeff Wall, Rita McBride und Christopher Williams. www.kestnergesellschaft.de

Museen & Institutionen

Berliner Sonnenaufgang in Basel

David Claerbout, Olympia (The real-time disintegration into ruins of the Berlin Olympic stadium over the course of a thousand years), Start: März2016 ,Zweikanal-Echtzeitprojektion, Farbe, ohne Ton, HD-Animation, 1000 Jahre Mit Unterstützung durch den VAF Vlaams Audiovisueel Fonds Courtesy Esther Schipper, Berlin, Sean Kelly, New York © 2017 ProLitteris, Zurich

Wie man das Volk mit Brot und Spielen bei Laune hält, wussten schon die antiken Machthaber mit der Ausrichtung von sportlichen Olympiaden im alten Griechenland und die römischen Cäsaren mit der Inszenierung von Gladiatorenkämpfen. Als die Nazis zwischen 1934 und 1936 in Berlin das Olympiastadion mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern errichten ließen, mischte sich Adolf Hitler persönlich in die Bauplanung ein und ließ Albert Speer die ursprünglichen Entwürfe des Architekten Werner March gründlich korrigieren. Nach heutiger Kaufkraft hätte der Bau 183 Mill. Euro gekostet; das Stadion war der erste protzige propagandistisch orientierte Großbau des NS-Regimes, und die Olympiade von 1936 war die erste, deren Inszenierung unter politischen Aspekten auf höchst perfide Weise ideologisiert wurde. Die Ausrichtung der Spiele sollte Deutschland nämlich als friedliebend und wirtschaftlich stark darstellen. Der Stadionbau selbst war aber auch steinernes Symbol für die Fiktion von einem "Tausendjährigen Reich" gedacht. Darauf nimmt der Videokünstler David Claerbout Bezug: in seinem Videoprojekt "Olympia (The real time disintegration into ruins of the Berlin Olympic stadium over the course of a thousand years) zeigt er, wie das Stadion in Realzeit in einem Zeitraum von 1.000 Jahren nach und nach zerfällt. Derzeit ist die Arbeit als Großprojektion im Schaulager der Laurenz-Stiftung in Münchenstein/Basel  zu sehen. Aus besonderen Service öffnet das Schaulager an manchen Tagens schon früh morgens und spätabends, damit man dort in der Schweiz "in Echtzeit" den Sonnenaufgang und -untergang über dem Stadion in Berlin miterleben kann. Termine: 20. August 2017, 5.30-18 Uhr, Sonnenaufgang 3. September, 6-18 Uhr, Sonnenaufgang 22. September, 13-20 Uhr, Sonnenuntergang 5. Oktober, 13-21 Uhr, Vollmond 13. Oktober 2017, 13-19.30 Uhr, Sonnenuntergang. www.schaulager.org

Museen & Institutionen

Hanne Darboven: Finissagen-Konzert

Hanne Darboven, 1968 | © Hanne Darboven Stiftung, Hamburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 | Foto: bpk / © Angelika Platen

Zum Abschkluss der Hanne Darboven-Ausstellung im Berliner Hamburger Bahnhof-Museum für Gegenwart findet am 27. August 2017 ein Orgelkonzert mit Werken von Hanne Darboven in der Epiphanienkirche in Berlin-Charlottenburg statt. Veranstalter sind die Freunde Guter Musik Berlin e. V. in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie. Darbovens Arbeiten basieren "auf Zahlenadditionen nach Kalenderdaten, die sie in Zeichnungen und Büchern ausschrieb und in wand- bzw. raumgreifenden Installationen präsentierte. Die Werke der bedeutenden Vertreterin der Konzeptkunst in Deutschland sind als Abläufe zu begreifen und haben einen zeitlichen Charakter, der Parallelen zur Musik als 'zeitliche' Kunst aufweist. Seit 1979 hat sie die ihren visuellen Arbeiten zugrundeliegenden Zahlenkonstruktionen auch in musikalische Strukturen übertragen; die Zahlen bestimmter Zeitrechnungen wurden von ihr selbst in Noten umgesetzt und dann von professionellen Musikern in musikalisch aufführbare Partituren für Solobesetzungen bis hin zu Orchesterwerken transkribiert." www.hannedarboveninberlin.de

Museen & Institutionen

St. Gallen: Rico Scagliola und Michael Meier

Rico Scagliola & Michael Meier, Girl behind Glass Door, 2016 Courtesy: die Künstler

Die Kunsthalle St. Gallen bietet vom 19. Augsut bis zum 29. Oktober 2017 eine Ausstellung mit einem Werküberblick des Künstlerduos Rico Scagliola & Michael Meier an. Beide arbeiten zusammen bei der Sammlung audiovisueller Attribute, "welche die Identitäten einzelner Menschen oder Menschengruppen konstruieren und erkunden, wie sich diese zur Selbstwahrnehmung eines gesellschaftlichen Kollektivs verhalten. Auf diese Weise schaffen sie eindrückliche zeitgenössische Sittengemälde. In ihrer ersten umfassenden Einzelausstellung zeigen Scagliola & Meier in der Kunst Halle Sankt Gallen eine Auswahl von Fotografien aus ihrer neusten Serie «years later...». Für diese fotografierten sie während der letzten drei Jahre Menschen jeglichen Milieus und Alters sowie unterschiedlicher Herkunft unbemerkt im (halb)öffentlichen urbanen Raum verschiedener Städte." www.k9000.ch

Museen & Institutionen

Erik Kessels Retrospektive

Erik Kessels & Friends © NRW-Forum Düsseldorf / Foto: B. Babic

Vom 12. August bis zum 5. Novemner 2017 widmet das NRW-Forum Düsseldorf dem niederländischen Künstler, Designer, Kurator und Sammler Erik Kessels eine Retrospektive. Dazu hat Kessels fünf Freunde eingeladen, nämlich die Künstler Paul Kooiker, Joan Fontcuberta, Peter Piller, Joachim Schmid und Ruth van Beek, die mit eigenen Arbeiten in der Überblicksausstellung intervenieren. Kessels Credo: Perfekte Bilder wie in der Werbung oder der Modefotografie langweilen ihn. Stattdessen bevorzugt er absurde Fundstücke an Fotografien, sogenannte Gebrauchsfotografie, Unperpektes und Unvollendetes. Ästhetischen Reiz hat ihn Verwackeltes, Unscharfes und selbst ein Foto, bei dem ein unbeholfener Amateurfotograf versehentlich den Finger vor die Linse hält. Kessels "sammelt Fotografien aller Art, die er in eigenen und fremden Fotoalben und im Internet findet. Familienalben, die heute fast automatisch etwas Melancholisches besitzen, sind ebenso sein Material wie digitale Bilder, die massenweise das Netz fluten, und von kuriosen persönlichen wie kulturellen Obsessionen zeugen. Er verändert oder manipuliert die Bilder nicht, sondern sammelt, sortiert und rekontextualisiert die Fundstücke und erzählt humorvolle Geschichten von Familien und Fremden, Zufällen und Schicksalen, von Kunst und Kommerz, vom Erinnern und Vergessen, vom Gelingen und Scheitern. Seine Arbeiten sind ein Jahrmarkt der Bildergeschichten, die Platz lassen für das Unvollendete, den Zufall, den Fehlschlag, das Unperfekte und manchmal auch sehr persönliche Einblicke in seine eigenen Familienbilder geben." www.nrw-forum.de

Aktionen & Projekte

OFF//FOTO 2017

Thorsten Dirr. Touching Spirits Engelhorn – Mode im Quadrat , Mannheim (9.10 – 6.11.2017), © Thorsten Dirr

Rund 70 Galerien nehmen am Festival OFF//FOTO 2017 teil, das zeitlich parallel zur Foto-Bienanle stattfindet. Austragungsorte von OFF//FOTO 2017 sind Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, Speyer, Dannstadt-Schauernheim, Ladenburg, Viernheim und Frankenthal. Die Eröffnung wird am 2. September 2017 im "Kulturzentrum dasHaus" in Ludwigshafen ausgerichtet. Anschließend dauert das Festival dann noch bis zum 5. November 2017. "Neben bekannten Galerien sind auch eine Reihe ungewöhnlicher Ausstellungsorte dabei. So etwa das Haardter Schloss in Neustadt an der Weinstraße, wo preisgekrönte Siegerarbeiten des Wettbewerbs „gute aussichten“ zu sehen sein werden. Im barocken Schloss Kleinniedesheim präsentiert die Fotokünstlerin Andrea Esswein ihre Werke und im ehemaligen Wohnhaus des Hasselblad Award-Preisträgers Robert Häusser stellt Peter Schlör aus. In einem leerstehenden Ladenlokal in der Ludwigshafener Bismarckstraße gestaltet eine Gruppe Fotografen eine Schau zum Thema Eden und im Europäischen Zentrum für junge Fotografie Viernheim stellen die jüngsten Fotokünstler aus." www.off-foto.info

Biennalen

Olafur Eliasson: Workshop

Olafur Eliasson, Foto: Francesco Galli, Courtesy La Biennale di Venezia

Olafur Eliasson ist an der Yokohama Triennale (bis 5. Nov. 2017) mit einem Künstlerworkshop „Green light“ beteiligt. Dabei geht es um die aktuellen „geopolitischen Konstellationen“ und um die protektionistsiche Einwanderungspolitik Japans, das nur eine sehr geringe Zahl an Flüchtlingen ins Land einreisen lässt. Der Workshop zusammen mit lokalen NGOs in Yokohama beschäftigt sich mit den „entfermdeten und isolierten Gemeinschaften innerhalb der japanischen Gesellschaft“. www.yokohamatriennale.jp/english.

Biennalen

Biennale für aktuelle Fotografie

Das Kuratorenkollektiv 2017 (v.l.: Boaz Levin, Florian Ebner, Christin Müller, Fabian Knierim, Kathrin Schönegg, Kerstin Meincke)

Das Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg findet vom 9. September bis 5. November 2017 statt, und zwar unter dem neuen Namen Biennale für aktuelle Fotografie. Mit der Namensänderung sei eine „Schärfung des Profils“ und ein „neues Erscheinungsbild“ verbunden, heißt es. Die Biennale wird von einem Expertenteam um Florian Ebner und Christin Müller kuratiert. Dazu gehören Fabian Knierim, Boaz Levin, Kerstin Meincke und Kathrin Schönegg. Florian Ebner leitet die Fotografische Sammlung des Museum Folkwang, Essen. Christin Müller aus Leipzig kuratierte zuletzt die Ausstellung Cross Over – Fotografie der Wissenschaft + Wissenschaft der Fotografie im Fotomuseum Winterthur. Zusammen konzipieren Christin Müller und Florian Ebner auch die Ausstellungsreihe zu zeitgenössischer Fotografie with/against the flow für das Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart. Im Mittelpunkt ihres Konzepts für das Biennale-Festival „stehen die großen Umbrüche der zeitgenössischen Bildkultur, dazu gehört auch eine veränderte, aktuelle wie auch historische Perspektive auf das Medium Fotografie selbst.“ Die Veranstaltung folgt einem Konzept, die Gastkuratoren alle zwei Jahre auszuwechseln, um „immer wieder neue Aspekte der zeitgenössischen Fotografie“ zu behandeln, und dies „im Dialog mit den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern, der Metropolregion, den drei Veranstaltungsstädten und den lokalen, nationalen und internationalen Besuchern.“ Beteiligt sind die bedeutendsten Ausstellungshäuser der drei Städte. Zuletzt zählte das Festival mehr als 35.000 Besucher. „In sieben beteiligten Institutionen werden junge zeitgenössische Arbeiten, die unsere digitale Bildkultur reflektieren, historischen fotografischen Positionen gegenübergestellt. Mehr als sechzig internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen zum Teil eigens für die Biennale entwickelte Arbeiten. Der Stadtraum wird mit künstlerischen Interventionen und performativen Formaten bespielt. Eine umfangreiche Website soll die Debatten und Ergebnisse um die Biennaleausstellung öffentlich zugänglich machen.“  www.biennalefotografie.de

Personalien

Bazon Brock kritisiert Documenta-Kuratoren

Prof. Bazon Brock, Foto: S. Kallnbach

Prof. Bazon Brock, Emeritus für Ästhetik und früher der Kasseler documenta durch seine legendäre „Besucherschule“ eng verbunden, ließ kein gutes Haar an der diesjährigen Veranstaltung. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur polterte Brock: „Das, was in Kassel geboten wird, ist unter aller Sau und hat keinerlei Profil. Die Kuratoren haben auf der gesamten Bandbreite versagt und sind noch absurder organisiert als der Markt.“ Anders als der Publizist Wolfgang Ullrich glaube er auch nicht daran, dass der Kunstbetrieb in einen Bereich der Kuratorenkunst und in einen der Marktkunst auseinanderfalle. Es würden sich immer Künstler durchsetzen, so Brock, denen es um eine „Unabhängigkeit im Sinne von Freidenkertum“ ginge, was letztlich bedeutet: solche Künstler lassen sich weder von den Kuratoren noch vom Kunsthandel diktieren, was sie künstlerisch machen. Das Unbehagen an den Kuratoren und an ihrer Deutungsmacht, das in Diskussionen häufig geäussert wird, sieht Bazon Brock am d14-Team bestätigt: die documenta-Kuratoren hätten sich „am meisten blamiert“. Damit relativiert Brock die Kritik, die in den Feuilletons an der d 14 geübt wird: fragwürdig ist wohl nicht primär die ausgestellte Kunst, sondern in erster Linie der Anspruch und das Vorgehen der Kuratoren. Bazon Brock: „Wer Eulen nach Athen tragen will, hat ja sowieso nicht alle Tassen im Schrank...“

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