Band 243, 2016, Ausstellungen: Bonn, S. 310

Thomas Huber

Am Horizont

Kunstmuseum Bonn 29.09.2016 – 08.01.2017
von Martin Seidel

Thomas Huber gehört zu den Künstlern, die den Fokus auf die Kunst selbst richten. Seit dem Studium bei Fritz Schwegler an der Düsseldorfer Kunstakademie vor über dreißig Jahren hält der in Berlin lebende Schweizer das totgesagte Medium Tafelmalerei am Leben. In der Ausstellung im Bonner Kunstmuseum bleibt er mit Exponaten, die nicht ­älter als sieben Jahre sind, im angestammten Diskurs. Er räsonniert darüber, was ein Bild ausmacht, übers Malen und das Bildermachen, übers Sehen, Wahrnehmen und Verstehen, über kunstgeschichtliche Zusammenhänge und institutionelle Verflechtungen – und ist dabei nie langweilig.  

90 Gemälde und Aquarelle, ergänzt um neun Architekturmodelle, bilden eine Theorie, Apologie und Anthropologie der Malerei. Die Leinwand „Rette sich wer kann“ taucht als programmatischer Auftakt der Ausstellung gleich in die Tiefen der Kunstwelt. Sie blickt ins Maleratelier; die Wände dort sind nach einem Brand verkogelt, auf den Lachen des Löschwassers schwimmt ein Tisch mit einem als Segel instrumentalisierten Gemälde auf der Staffel. Das Bild fragt, so befremdlich es ist, in einer unvermissverständlichen Symbolsprache, was Kunst außerhalb des Kunstbetriebs kann. Wie es aussieht, kann sie, wenn es hart auf hart kommt, so viel oder so wenig wie in Schillers Räuber das „Theaterfeuer, das keine Pfeife Tabak anzündet“. Weit wird dieses Floß jedenfalls kaum kommen – das Bild hingegen hat seinen Liebhaber gefunden und wird auf Ausstellungen bewundert.  

Lesen Sie diesen und alle weiteren Artikel der Ausgabe sowie alle Inhalte der bisher 250 erschienen Bände im KUNSTFORUM Probe-Abo. Mehr erfahren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, loggen Sie sich hier ein: Anmelden

Autor
Martin Seidel

* 1958, Frankfurt am Main , Deutschland

weitere Artikel von ...

Wichtige Personen in diesem Artikel
Thomas Huber

* 1965, München, Deutschland

weitere Artikel zu ...