Band 252, 2018, Titel: Moderne, reloaded, S. 44

Moderne, reloaded

Befragung einer Epoche

herausgegeben von Sabine Maria Schmidt und Sabine B. Vogel

Mit dem Ende des 20. Jahrhunderts schien die Auseinandersetzung mit der Moderne ausgeschöpft. Man sprach längst von der Postmoderne, konstatierte einen freien Stilpluralismus, der die bis dahin dominierende, lineare Fortschrittslogik von Stilentwicklungen und die Kanonisierung spezifischer, künstlerischer Gruppierungen ablöste. Aber spätestens seit der Jahrtausendwende begann international eine Neubefragung der Moderne. Unter veränderten Paradigmen werden wissenschaftliche Aufarbeitungen und Ausstellungen zu regionalen Modernen produziert, wodurch die Landkarten und auch die Chronologien dieser Epoche eine enorme Dehnung erfahren. Vor allem Großausstellungen wie die documenta 10, 11 und 12 oder Biennalen, wie jüngst in Lyon, liefern unerwartete Impulse. In Museen wird die eigene Sammlungstätigkeit hinterfragt. Lange übersehene Künstler und vor allem Künstlerinnen der klassischen Avantgarden erhalten neue Anerkennung. Und im Umfeld des unersättlich gewordenen Kunstmarkts werden Keller- und Dachspeicher nach vergessenen Künstlern und Künstlerinnen der Avantgarden durchforstet. Als Marke und Label ist die Moderne zu einer magischen Vokabel des Stadtmarketings geworden, neue Kategorien werden sogar kreiert. So bezeichneten im Walker Arts Center in Minneapolis die Kuratoren den Kampf für Utopien jüngst sogar als „Hippie Modernism“.  

Allen aktuellen Beschäftigungen mit dieser Epoche ist dabei eines gemeinsam: Die Grenzen der Moderne werden neu abgesteckt. Dazu gehört ganz wesentlich die Einsicht, es nicht mit der einen, abendländisch dominierten Moderne zu tun zu haben, sondern mit vielen, geographisch entschieden verbreiteter als jemals angenommenen Modernen. Zugleich wird unübersehbar, dass wir es mit „heterogenen und diskontinuierlichen Modernisierungsprozessen“ zu tun haben und erkennen müssen, dass keine Übereinkunft mehr über das besteht, was mit dem Begriff der Moderne gemeint ist. Stattdessen müssen wir „die Moderne als eine Konstellation von Brüchen lesen, die sich homogenisierenden Epochenbegriffen entziehen“, wie es Sabeth Buchmann hier im Interview treffend zusammenfasst.  

Lesen Sie diesen und alle weiteren Artikel der Ausgabe sowie alle Inhalte der bisher 254 erschienen Bände im KUNSTFORUM Probe-Abo. Mehr erfahren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, loggen Sie sich hier ein: Anmelden

Autor
Sabine Maria Schmidt

* 1968, Osnabrück, Deutschland

weitere Artikel von ...

Sabine B. Vogel

* 1961, Essen, Deutschland

weitere Artikel von ...

Weitere Personen
Shannon Bool

* 1972, Vancouver, Kanada

weitere Artikel zu ...

Sabeth Buchmann

* , Österreich

weitere Artikel zu ...

Simone Wille

weitere Artikel zu ...