Band 246, 2017, Titel: Public Image, S. 100

Kunst im öffentlichen Raum – ein Mythos

Von Herrscherdenkmälern und Marketingstrategien

von Rosa Windt


Imagemaßnahmen in Kulturmetropolen

Seit den 1960er Jahren spielt Kunst im öffentlichen Raum eine tragende Rolle, wenn es um die zukünftige Entwicklung einer Stadt geht. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde beispielsweise 2004 in Hamburg die Hamburg Marketing GmbH gegründet, deren Aufgabe fortan darin bestehen sollte, das aktuelle städtische Leitbild zu verfolgen und umzusetzen: „Innovativ, attraktiv, traditionsbewusst und aufgeschlossen – Hamburgs kulturelles Profil ist unverwechselbar. Um dieses Charakteristikum zur Profilierung der Marke Hamburg auszuschöpfen, will die Stadt ihren Status als eine der faszinierendsten Kulturmetropolen Europas festigen und weiter ausbauen.“1 Als geeignete Maßnahme, um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurden 2005 in einer groß angelegten Aktion einhundert Figuren von Wasserträgern als Verkörperung eines Hamburger Wahrzeichens im öffentlichen innenstädtischen Raum platziert. Die sogenannte Hummel-Parade wurde durch Sponsoren finanziert, die sich jeweils in bunter Bemalung und Platzierung ihres Logos auf ihrer Skulptur verewigen durften. Aufgrund der (angeblich) positiven Resonanz der Hamburger Bevölkerung und deren Besucher wurde das Projekt auf zwei Jahre verlängert. Anschließend sind die Skulpturen versteigert und der Erlös einem gemeinnützigen Zweck gestiftet worden. Hamburg folgte mit der sogenannten Hummel-Parade einem Trend, der 2000 erstmals in New York in Form einer Cow-Parade großen Anklang als städtische Aktion für Kunst im öffentlichen Raum gefunden hatte.2 Tatsächlich kann es sich bei solchen öffentlichen Raum okkupierenden Projekten aber weniger um die Bildung kultureller, bildungsvermittelnder Kontexte handeln, als vielmehr um eine Privatisierung und Kommerzialisierung von öffentlichem Raum im internationalen Wettbewerb um Touristen und Investoren. Entsprechend ihres Leitbildes erhoffte sich die Stadt Hamburg durch Events dieser Art – zu denen auch „Schlüsselprojekte“ wie die angestrebte Durchführung der Olympiade 2014 oder die Internationale Gartenbauausstellung 2013 zählen – einen Entwicklungsschub mit internationaler Ausstrahlung.3  

Lesen Sie diesen und alle weiteren Artikel der Ausgabe sowie alle Inhalte der bisher 247 erschienen Bände im KUNSTFORUM Probe-Abo. Mehr erfahren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, loggen Sie sich hier ein: Anmelden

Autor
Rosa Windt

* 1989, Hamburg, Deutschland

weitere Artikel von ...

Wichtige Personen in diesem Artikel
Park Fiction

* 1994, Hamburg, Deutschland

weitere Artikel zu ...

Weitere Personen
Daniel Buren

* 1938, Boulogne-Billancourt, Frankreich

weitere Artikel zu ...

Agnes Denes

* 1931, Budapest, Ungarn

weitere Artikel zu ...

Hilmar Hoffmann

weitere Artikel zu ...

Frederic Jameson

* 1934, Cleveland, Verein. Staaten

weitere Artikel zu ...

Gerhard Schulze

* 1944

weitere Artikel zu ...

Richard Serra

* 1939, San Francisco, Verein. Staaten

weitere Artikel zu ...