Band 245, 2017, Report, S. 326

Eine starke Stellung in einem starken Kunstmarkt

Eine für alle? Die Basler MCH-Group, Trägergesellschaft der Art Basel, plant den Einstieg in eine Reihe regionaler Kunstmessen überall auf der Welt. Was steckt hinter der Strategie des Schweizer Event-Multis?

von Ingo Arend

„Der Krake Kunstmarkt hat die Stadt wieder im Griff“. Als die „Badische Zeitung“ letzten Frühsommer die Eröffnung der Art Basel meldete, klang das nach einem abgenutzten Klischee. Ganz falsch lag sie mit der Schlagzeile freilich nicht. Spätestens seit die 1970 als Konkurrenz zum Kölner Kunstmarkt gegründete Schau vor 15 Jahren ihren glamourösen Ableger Art Basel Miami Beach ins Leben rief, steht die bewunderte „Königin der Kunstmessen“ auch für das große Unbehagen an dem Arkanum „globaler Kunstmarkt“. Der fatale Trend, dass ein Begriff wie der „Wert der Kunst“ und das Dollarzeichen heute fast synonym geworden sind, hat auch etwas mit dessen Ausgreifen rund um den Globus zu tun.  

Dieses tendenzielle Negativimage dürfte sich verschärfen, wenn der Basler MCH-Group gelingt, was sie vergangenes Jahr wie nebenbei verkündete. Im Frühjahr 2016 hatte die Trägergesellschaft der Art Basel lanciert, ein „neues Portfolio führender regionaler Kunstmessen“ zu etablieren. Wundern konnte das niemanden: Schon 2013 hatten die Basler die ehemalige Hong Kong International Art Fair (Art HK ) in ihren zweiten Ableger „Art Basel Hongkong“ – das südostasiatische Gegenstück zur Art Basel Miami verwandelt. Im vergangenen Herbst übernahmen sie auch noch die India Art Fair.  

Bei der 2008 gegründeten Messe in Neu Delhi soll es freilich nicht bleiben. Sie sei, so MCH-Sprecher Christian Jecker, nur „der erste Zielmarkt, der erste Schritt“. Glaubt man der Gerüchteküche, sollen nun auch Messen in Istanbul, Düsseldorf und Dubai ins MCH-Visier geraten sein. Das Interesse der Basler an den regionalen Kunstmessen kommt nicht von ungefähr. Von Beirut bis Bogota gibt es viele Beispiele, die Jeckers These belegen, dass die regionalen Messen als „Plattformen für etablierte und neue regionale Künstler“ fungieren und „starke Beziehungen zu den regionalen Kunst-Communities“ ermöglichen.  

Lesen Sie diesen und alle weiteren Artikel der Ausgabe sowie alle Inhalte der bisher 245 erschienen Bände im KUNSTFORUM Probe-Abo. Mehr erfahren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, loggen Sie sich hier ein: Anmelden

Autor