Band 245, 2017, Gespräche mit Künstlern, S. 226

Johanna Reich

„Gruß an eine Welt, in der die Sehnsucht nach dem Haptischen wieder auflebt“

von Ann-Katrin Günzel

Johanna Reich (*1977) hat an der Kunstakademie in Münster, der HfbK Hamburg und der KHM in Köln studiert. Von 2003 – 05 war sie Mitglied der Künstlergruppe Klangkunst 8.1. und seit 2015 realisiert sie gemeinsam mit Adriane Wachholz das Klangkunstprojekt SQNCE, um Klang, Bild und Raum zu verschmelzen. 2016 hat sie ihr Projekt „Heroines“ auf 200 Litfaßsäulen in Köln plakatiert und damit eine große Öffentlichkeit erreicht. Das Thema der Bildfindung zieht sich durch ihr Werk und damit verknüpft die Frage nach An- und Abwesenheit, der Leere, der Dematerialisierung und der Negation. Häufig steht sie selbst vor der Kamera und agiert in Malerei-Performances, um schließlich im Bild zu verschwinden. Dabei ist es vor allem das scheinbar fixierende technische Medium der Kamera, das ihr dabei hilft, unsichtbar zu werden, da es – anders als das menschliche Auge – zwischen dem Schwarz der gemalten Farbe und dem der Kleidung nicht unterscheiden kann. Malerei, Performance, Film und das Experimentieren mit digitaler Technologie treffen sich in ihren Arbeiten zu neuen postdigitalen Bildräumen, in denen nicht selten die Frage nach den Grenzen der digitalen Bilderzeugung aufscheint.  

Ann-Katrin Günzel: Aktuell warst du in der Ausstellung Reset II and Futurism (bis 21. Januar 2017) in der Galerie Priska Pasquer in Köln mit der Filmarbeit „A Drone Painting/Black Square on White Ground“ vertreten, in der du von einer Drohne dabei beobachtet wirst, wie du eine weiße Leinwand mit einem schwarzen Quadrat bemalst. Am Schluß verschwindest du – schwarz gekleidet – in dem Bild. Du nimmst mit dem schwarzen Quadrat eine absolute Ikone der Malerei auf und transformierst sie durch die filmische Überwachung der Drohne zu einer postdigitalen Arbeit. Kannst du dich bzw. deine Arbeit mit diesem Begriff des „Postdigitalen“ überhaupt identifizieren?  

Johanna Reich: Der Begriff „Postdigital“ geisterte seit 1998 durch die (Musik-)welt und beschreibt ja eigentlich nur, dass wir im digitalen Zeitalter angekommen sind, es für selbstverständlich angenommen haben. Die „five forces“, die Nicholas Negroponte in seinem legendären Wired-Artikel „Beyond digital“ beschreibt, tauchen auch in anderen Arbeiten von mir auf: so zum Beispiel der von Nicholas Negroponte genannte „global imperative“ in meinem Video „Colours“, das sich mit nationaler Identität beschäftigt.  

Lesen Sie diesen und alle weiteren Artikel der Ausgabe sowie alle Inhalte der bisher 247 erschienen Bände im KUNSTFORUM Probe-Abo. Mehr erfahren

Wenn Sie bereits Abonnent sind, loggen Sie sich hier ein: Anmelden

Autor
Ann-Katrin Günzel

weitere Artikel von ...

Wichtige Personen in diesem Artikel
Johanna Reich

* 1977, Minden, Deutschland

weitere Artikel zu ...