Band 244, 2017, Titel: Die neue Auftragskunst, S. 158

Richard Deacon

Jenseits des Ateliers

Ein Gespräch von Sabine B. Vogel

Der 1949 in Wales geborene, in London lebende Künstler gehört zu den wichtigsten Bildhauern seiner Generation. Seine abstrakten Skulpturen spielen oft mit organischen, offenen Formen und geschwungenen Linien und werden ohne Sockel präsentiert. Richard Deacon gewann 1987 den renommierten Turner Prize, wurde 1996 zum Chevalier de l’Ordre des Arts et Lettres ernannt und ist seit 1999 Professor an der Ecole Nationale Superieure des Beaux Arts, Paris. Er nimmt seit 1975 an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, darunter documenta 9 (1992), Biennale Venedig für Wales (2007), Architektur Biennale Venedig (2012). Seit 1983 wird er von der Lisson Gallery, London vertreten.  

Richard Deacon: Die ersten Auftragswerke, für die ich Vorschläge machte, waren alle erfolglos. Aber ich habe viel dabei gelernt. So führten meine Schwierigkeiten, 1982 einem Komitee in Südlondon meine Ideen zu erklären, direkt zu der Serie kleinformatiger Skulpturen „Art For Other People“ – die basieren auf der Überzeugung, dass ich weitaus besser Objekte schaffen als meine Arbeit erklären kann. Niemals ausgeführt wurde No.1 London Bridge im Jahr 1985. Es war mein erster Kontakt mit dem Architekt Eric Parry, mit dem ich später zwei weitere, nie realisierte Projekte machte, eines für ein Gebäude am Finsbury Square und eines für die Millenium Bridge, die über die Themse führt. 2013 waren wir dann erfolgreich mit dem Auftrag einer Brüstung aus Keramik für den Eagle Place, Piccadilly. Und dann gab es noch drei erfolgreiche Aufträge, die alle 1987 begannen: „Let’s Not Be stupid“, 1991 für die Air Hall Site an der University of Warwick; „Between The Eyes“, 1990 für die Kreuzung von Yonge Street und Queen’s Quay in Toronto; „Once Upon A Time“, 1990 für die Redheugh Brücke über den Fluss Tyne.  

Sabine B. Vogel: Waren die Auftragssituation jeweils ähnlich?  

Die waren alle sehr verschieden. „Let’s Not Be Stupid“ wurde von dem Philantropen Oliver Pren initiiert, was damals über die Nadya und Oliver Pren Foundation lief. Es war das Ergebnis einer wohltätigen Patronage aus einer einzelnen Quelle, wenn auch unterstützt von der Universität – die schon eine ausgezeichnete Sammlung auf dem Campus besaßen. „Between The Eyes“ war durch die New Yorker Marian Goodman Gallery vermittelt. Als ich das erste Mal davon hörte, war ich schon auf einer Shortlist und wurde zum Besuch des Ortes eingeladen. Es war ein Prozent-für-Kunst-Projekt im öffentlichen Raum. Da es eng mit einem großen Entwicklungsprojekt verbunden war, gab es spannende, aber auch sehr mühsame Auflagen. Nebenbei bemerkt war ein Seiteneffekt dieser Aufträge meine Zusammenarbeit mit Price & Myers, vor allem mit Nick Hanika, auf den ich mich seither verlassen kann bei strukturellen Ratschlägen für komplexe Projekte.  

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Autor
Sabine B. Vogel

* 1961, Essen, Deutschland

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Richard Deacon

* 1949, Bangor, Grossbritanien

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