Band 245, 2017, Titel: Kunst lernen?, S. 76

Kunstakademie Düsseldorf

Künstlerakademie

von Tanja Klemm

Die Düsseldorfer Kunstakademie zählt zu den renommiertesten Kunsthochschulen weltweit. Blättert man durch die vielen Publikationen, die sich mit ihrer Geschichte beschäftigen, durch Zeitschriften, Zeitungen und Internetseiten, die über ihr Renommee, ihre Künstlerprofessoren oder ihre Rundgänge berichten, stellt sich schnell der Eindruck ein, dass sich hier, hinter dem massiven, festungsähnlichen Gebäudekörper aus dem späten 19. Jahrhundert die zentralen Mysterien der modernen und zeitgenössischen Kunstwelt versteckt halten: künstlerische Freiheit und Autonomie, charismatische Künstlerindividuen, Geniekult, marktwirtschaftlicher Erfolg, viele Traditionsstränge. Nur knapp über zehn Prozent der jungen Leute, die sich hier mit einer Mappe bewerben, so liest man hier und dort, werden in eine Künstlerklasse aufgenommen – die meisten wollen zunächst Malerei studieren.  

In der Tat wirkt das Eingangsportal an der Schmalseite des bedeutenden historistischen Gebäudes, das aus den Jahren 1875 bis 1878 datiert, zunächst überraschend klein – zumindest in Relation zu den Ausmaßen des Gebäudekörpers: dreistöckig ragt er in die Höhe, 158 Meter ist er lang und 12 Meter breit. Aus der Vogelperspektive betrachtet schiebt er sich vom Rhein aus wie ein gewaltiger Riegel vor den nördlichen Rand der Altstadt. Die Schauseite ist der Altstadt abgewandt, sie befindet sich also jenseits der Kunstsammlungen, der Cafés, Galerien, Brauhäuser, Geschäfte und Künstlerbedarfsläden – das wirkt heute ein wenig eigenartig, liegt aber daran, dass sich bis ins späte 19. Jahrhundert hinein hier im Norden der Sicherheitshafen befand und der freie Blick auf die Fassade zu dieser Zeit noch nicht durch eine Brückenrampe verstellt war. Die Fassade selbst ist aufwändig in Formen der italienischen Renaissance gestaltet, in 18 Achsen gegliedert, stark durchfenstert. Hinter den Fenstern befinden sich die Klassenräume, wie viele klassische Ateliers wegen des gleichmäßigen Lichteinfalls nach Norden ausgerichtet. 65 Namen großer abendländischer Künstler umklammern das Gebäude an der Schauseite und den Stirnseiten, in einen Fries am oberen Abschluss des Erdgeschosses gemeißelt.  

Vor den Eingangstreppen, ebenfalls in alter Manier in Stein gemeißelt (dieses Mal in den
Boden), liest sich der von der Bildhauerin und ehemaligen Rektorin Irmin Kamp (1981–1988) geprägte Leitspruch der Akademie „Für unsere Studenten nur das Beste“ wie ein steingewordenes Schwellenritual.  

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Autor
Wichtige Personen in diesem Artikel
Claudia Schmacke

* 1963, Witten, Deutschland

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* 1949, Liverpool, Grossbritanien

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* 1941, Liberec, Tschechische Rep.

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* 1960, Des Moines, Verein. Staaten

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