Band 242, 2016, Ausstellungen: London , S. 330

Pablo Bronstein
Historical Dances in an Antique Setting
Tate Britain Commission 2016

Tate Britain
26.04. – 09.10.2016
von Edgar Schmitz

Kostüme sind eigentlich immer in dem gleichen Maße Annäherungen, wie sie auch Distanzen vorführen. Die Annäherungen, so heißt es, richten sich an Vergangenem aus, das als verloren gilt und einzuholen sein sollte. Die Distanzen dagegen führen sich automatisch immer da vor, wo das Beschworene mit dem Gegebenen kollidiert, und oft ist genau das Ziel der Inszenierung.  

Im historischen Drama wie auch im Reenactment ist die Inszenierung darauf ausgerichtet, diese Reibstellen zu leugnen, entweder für das Publikum oder für die Akteure selbst. Aber dabei handelt es sich ja schließlich auch um illusionistische, und nicht als Kunst explizit doppelt verfasste Produktionen. Auch wenn das Aufgehen in der Illusion natürlich im Theater wie auch in der Kunst weiterhin mit dem üblen Beigeschmack des eskapistischen Genusses durchaus zum Reizrepertoire gehört: Kunst, vor allem wo sie sich aus dem Performanceerbe ins etablierte Museumsrepertoire eingeschrieben hat, ist in der Regel vor allem in ihrer Brüchigkeit lesbar.  

Bei Bronstein vervielfältigt sich die Kostümierung dagegen in geliehenen und angerissenen Künstlichkeiten so, dass ihre Verweismuster sich immer wieder übermächtig aufdrängen. Seine Duveen Commission 2016 reproduziert Motive und Elemente der Außenfassade der Tate Britain als internes Bühnenbild. Und seine Tänzer führen dann vor und in und gegen den Hintergrund dieses Bühnenbilds wie auch der eigentlichen Halle, mit der sie sich so unklar überschneiden, Choreografien vor, in denen die Kostüme der Tänzer sich wiederum mit den Formensprachen geborgter Tanzrhetorik überschneiden.  

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Autor
Wichtige Personen in diesem Artikel
Pablo Bronstein

* 1977, Buenos Aires, Argentinien

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