Band 235, 2015, Titel: Kunsturteil, S. 118

Monika Schnetkamp, Sammlerin

Monika Schnetkamp hat Wirtschaft und Kunstgeschichte studiert. 2002 übernahm sie als geschäftsführende Gesellschafterin die elterliche Firma, 2004 wurde sie Gesellschafterin von Knab International Art Movers.
Im Jahr darauf eröffnete Schnetkamp den privaten Kunstraum Kai 10 im Düsseldorfer Medienhafen.
 

Christiane Meixner:Frau Schnetkamp, kann man nach einem Studium der Kunstgeschichte auch zeitgenössische Kunst beurteilen?  

Monika Schnetkamp: Es ist lange her, dass ich Betriebswirtschaft und Kunstgeschichte studiert habe. In den achtziger Jahren war das Studium der Kunstgeschichte breit gefächert. Die Gegenwartskunst wurde aber eher nachgeordnet behandelt. Man musste sich selber informieren. Um zeitgenössische Kunst zu beurteilen, braucht man Erfahrung im Sehen und Vergleichen. Diese Erfahrung fehlt einem in der Regel als Student.  

Beruht die Erfahrung auf dem Besuch von Museen und Galerien? Oder gibt es andere Möglichkeiten, das eigene Urteil zu schärfen?  

Das umfangreiche Anschauen ist mit Sicherheit die wichtigste Voraussetzung. Für mich ist es wesentlich, von einem Kunstwerk auf Anhieb gefesselt zu werden. Wenn es mich emotional fasziniert, dann befasse ich mich intellektuell damit und fange an, mich auch mit dem Urheber zu beschäftigen. So war es im Fall des installativen Werks von Thomas Zipp, das ich zum ersten Mal 2005 im Oldenburger Kunstverein gesehen habe. Die zentrale Arbeit „Dirty Tree Black Pills“ hat mich fasziniert. Zwei Jahre später sah ich Zipps Installation zum Thema LSD in der Bremer Kunsthalle und 2010 die Umwandlung des Kasseler Fridericianum in eine psychiatrische Klinik. Dies war ein nachhaltiges Erlebnis. Zuvor habe ich einige Werke von Zipp erworben. Als Resultat dieser Beschäftigung und der persönlichen Bekanntschaft mit dem Künstler kam es zu einer Kooperation anlässlich der 55. Biennale in Venedig. Die Arthena Foundation schuf den organisatorischen und finanziellen Rahmen für eine große Installation von Thomas Zipp, die als collateral event im Palazzo Rossini stattfand und viel Aufmerksamkeit auf sich zog.  

Welche Rolle spielen Galerien für Ihre Sammlung?  

Galerien sind wichtige Partner, weil sie zunächst eine  Informationsquelle darstellen. Habe ich eine Arbeit entdeckt, die mein Interesse weckt, so versuche ich, über die Galerie weitere Informationen zum Künstler zu bekommen. Dabei ist es unerheblich, ob ich das Galerieprogramm kenne oder nicht. Wichtig ist, dass ich möglichst präzise informiert und auf dem Laufenden gehalten werde. Daraus kann sich ein Atelierbesuch ergeben, ein Gespräch, eben die persönlichen Kontakte, die mir auch wichtig sind.  

Haben Sie einen Berater für die Sammlung, oder verlassen Sie sich auf Ihr eigenes Urteil?  

Ja, als Berater arbeite ich mit Zdenek Felix zusammen, dem ehemaligen Direktor der Hamburger Deichtorhallen, einem international bekannten Kurator und Kunsthistoriker. Als Kenner der zeitgenössischen Kunst mit viel Erfahrung und gutem Gefühl für die Qualität ist er für mich ein Partner bei der Suche nach dem Neuen. Wir arbeiten im Team, besuchen viele Ausstellungen, Galerien, Ateliers und Messen im In- und Ausland und entscheiden häufig, teilweise nach längeren Diskussionen, gemeinsam über die Erwerbungen. Gerade diese Diskussionen sind mir, genau wie jene mit den Künstlern, sehr wichtig. Meine Urteilsfähigkeit wächst mit zunehmender Erfahrung.  

Gibt es ein durchgängiges Motiv für Ihre Sammlung? Etwas, das die von Ihnen erstandenen Werke thematisch verknüpft?  

Die Sammlung ist grundsätzlich multimedial mit überwiegend jüngeren Positionen der zeitgenössischen, internationalen Kunstszene angelegt. Zeitlich umfasst sie die letzten dreißig Jahre, weil ich denke, dass es viel interessanter ist, Werke aus der Gegenwart zu sammeln, auch wenn sich damit ein gewisses Risiko verbindet. Arrivierte Kunst zu erwerben, finde ich langweilig und wenig anregend. Wesentlich ist es für mich, von den Künstlern und Künstlerinnen jeweils Gruppen von Arbeiten zu erwerben, denn nur so lässt sich eine sinnvolle Vertretung in der Sammlung gewährleisten. Unter den Positionen, die in meiner Sammlung mit größeren Ensembles figurieren, befinden sich neben Zipp auch Manfred Pernice, Rachel Harrison, Alicja Kwade, Markus Selg, Thomas Helbig, Giulio Frigo, Eva Kotatkova, Thea Djordjadze, David Noonan, Anna Parkina, Bernd Ribbeck, Andreas Slominski, Franz West, Alexander Wolff und andere mehr.  

Welche Rolle spielt das Urteil anderer für Ihre Sicht auf die Kunst?  

Das Urteil ist für meine Sicht auf die Kunst nicht sonderlich relevant. Meine Sicht auf die Kunst ist etwas sehr Persönliches und hat natürlich viel mit mir zu tun, meinem Geschmack und meinen Vorlieben. Was ich gut finde, finden andere noch lange nicht gut und umgekehrt. Für mich persönlich ist es bereichernd, wenn ich mit meiner Begeisterung für die zeitgenössische Kunst andere anstecken kann. Das ist wie ein Sog, der auch mein Umfeld verändert. So konnte ich in meinem Freundeskreis Personen, die sich früher nie mit der Kunst befasst haben, durch meine Tätigkeit und Engagement für die neuen Positionen der Gegenwartskunst begeistern.  

War es eine bewusste Entscheidung, Sammlerin zu werden?  

Nein. Das Sammeln hat sich bei mir erst später parallel zu meiner unternehmerischen Tätigkeit entwickelt. Es wuchs aus Neugier auf das Neue, was die zeitgenössische Kunst vermittelt. Allerdings war es eine bewusste Entscheidung, als Mäzenin junge Kunst zu fördern. Als Unternehmerin verstehe ich Unternehmertum als gesellschaftlich verantwortungsvolles Tun. Von daher ist für mich der Einsatz von privaten Mitteln für den gesellschaftlichen Nutzen sehr wichtig. Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit in diversen kulturellen Fördergremien habe ich mich dann 2007 entschlossen, die gemeinnützige Arthena Foundation zu gründen, um aktiv zur Förderung der zeitgenössischen Kunst beizutragen. Wichtig ist mir dabei die Freiheit der Kunstäußerungen.  

Sie zeigen Ihre Bestände nicht öffentlich, sondern finanzieren mit KAI 10 im Düsseldorfer Hafen eine Ausstellungsinstitution samt Personal, Katalogen und Begleitprogramm. Möchten Sie mit der Sammlung keinen Einfluss in der Öffentlichkeit nehmen?  

Meine Sammlung zeige ich nicht öffentlich, da ich Privatsammlung und Stiftungsaktivitäten getrennt sehe. Beim Stiftungsengagement steht klar der Fördergedanke im Vordergrund. Die Stiftung soll programmatisch unabhängig agieren. Dafür habe ich als künstlerischen Direktor Zdenek Felix engagiert, der für das anspruchsvolle Programm des Hauses verantwortlich ist. Wichtigstes Instrument der Arthena Foundation ist das 2008 eröffnete Ausstellungshaus KAI 10 in Düsseldorf. Es versteht sich als Plattform für Gegenwartskunst, aber auch als eine Art geistige Werkstatt. Deshalb werden bei uns Begegnungen von Kunstkritikern, Führungen oder Diskussionen veranstaltet. Zwei bis drei Gruppenausstellungen werden jährlich realisiert und mit Publikationen begleitet. In knapp sechs Jahren haben wir bereits über hundert Künstler und Künstlerinnen in thematischen Schauen gezeigt und zur Diskussion gestellt. Das Interesse des teilweise jungen Publikums ist beachtlich und bestätigt uns.  

Autor
Christiane Meixner

* 1966, Köln, Deutschland

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Monika Schnetkamp

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Zdenek Felix

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Thomas Zipp

* 1966, Heppenheim, Deutschland

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