Band 233, 2015, 56. Biennale Venedig – All the World's Futures: Länderbeiträge Stadtgebiet, S. 534

Irak

Invisible Beauty

Kommissare: Ruya Foundation for Contemporary Culture in Iraq (RUYA), Nuova Icona - Associazione Culturale per le Arti.Kurator: Philippe Van Cauteren. Ort: Ca' Dandolo, San Polo 2879

Seit die USA 2003 in den Irak einmarschierten und das Regime von Saddam Hussein stürzten, versinkt der arabische Staat im Chaos. Bis heute ist die damals zerstörte Infrastruktur nicht wieder aufgebaut, keine stabile Regierung gebildet, der Staat in ethnische Zonen aufgeteilt und wird seit Juni 2014 noch dazu von der Terrorgruppe IS bedroht. Ist es in einer solchen Situation nicht völlig abwegig, eine Länderbeteiligung auf der Biennale Venedig auszurichten? Im Gegenteil, betonen alle Beteiligten: „We cannot rebuild Iraq without building a new culture“, erklärt Salam Atta Sabri (1953, Irak). Seine Zeichnungen hängen in fünf Reihen dicht neben- und übereinander. Im heftigen Kontrast zu den verspielten venezianischen Lustern an der Decke erzählen sie von Leben im Irak, nicht in direkten Bildern, sondern atmosphärisch. Oft gerastert, dicht bekritzelt, fast manisch bedeckt sind die Blätter, oft sind Worte integriert, die in einem Strudel ineinander wirbeln. Eine bedrohliche Stimmung erzeugen auch Haider Jabbars (1986, Irak, lebt in der Türkei) „Portraits of Unknown Soldiers“. Die Ruya Foundation half ihm bei der Flucht aus dem Irak in die Türkei, dort verarbeitet er seine Erlebnisse in diesen sparsam kolorierten, intensiven Aquarellen. Latif Al Anis (1932, Irak) Fotografien dagegen erzählen von einem Vorkriegs-Irak, in dem die Welt noch in Ordnung war, und Akam Shex Hadi (1985, Irak Kurdistan) fotografiert Menschen, die von schwarzen Fahnen eingefangen werden. Was wie eine Nabelschnur aussieht, ist tatsächlich die Fahne der IS. Rabab Ghazoul (1970, Wales) lässt Menschen ihrer Umgebung vor der Kamera über den Irak Krieg sprechen. Diese fünf Positionen zeichnen ein eindringliches und zugleich vielstimmiges Bild vom Leben in einem Land, das nicht zur Ruhe findet. Es sind sehr persönliche, emotionale Verarbeitungen, wodurch der Irak Pavillon sich tief in unser Gedächtnis einprägt. SBV  

Der Pavillon wird ausschließlich von der Ruya Foundation finanziert, die dafür 600.000,- Euro aufstellte.  

www.ruyafoundation.org/en/  

Künstler: Latif al Ani, Salam Atta Sabri, Rabab Ghazoul, Haider Jabbar, Akam Shex Hadi und Ai Weiwei  

Autor
Sabine B. Vogel

* 1961, Essen, Deutschland

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Latif Al Ani

* 1932 , Karbala, Irak

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Rabab Ghazoul

* 1970

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Haider Jabar

* 1986 , Bagdad, Irak

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Salam Atta Sabri

* 1953 , Bagdad, Irak

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Weitere Personen
Akam Shex Hady

* 1985, Irak

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Ai Weiwei

* 1957, Peking, Volksrep. China

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Biennalen
Biennale Venedig

I – Italien

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