Band 233, 2015, 56. Biennale Venedig – All the World's Futures: Länderbeiträge Giardini, S. 318

Schweiz

Pamela Rosenkranz

Our Product

Kommissare: Swiss Arts Council Pro Helvetia,

Sandi Paucic, Marianne Burki, Swiss Arts Council

Pro Helvetia, Rachele Giudici Legittimo.

Kurator: Susanne Pfeffer.

Ort: Pavilion in den Giardini

Selbst wenn die Sonne und damit die Erde verschwinden werden, gilt es schon heute, das Universum jenseits des Menschen zu denken und die Materie an sich als intelligent zu verstehen. Begreift man Materie als strukturell intelligibel, erscheint die humanistische Konstruktion des Menschen obsolet, die Übergänge zwischen Mensch, Natur, Tier und Materie werden fließend.“ Diese, der neuen philosophischen Richtung des „Spekulativen Realismus“ folgenden Gedanken sind dem Pressetext zu Pamela Rosenkranz’ Ausstellung im Schweizer Pavillon entnommen. Man sollte sich auf sie einlassen, will man das Werk dieser eigenwilligen Künstlerin verstehen.  

Was man sieht: Pamela Rosenkranz hat an der Mauer des offenen Patios eine Reihe grün leuchtender Strahler angebracht. Sie tauchen den lichten Eingangsbereich und den zu diesem hin geöffneten, grün gestrichenen ersten Ausstellungsraum in ein strahlendes Licht. Dieser Raum ist leer. Ein schmaler Gang führt zum Hauptausstellungsraum, den Pamela Rosenkranz zu einem riesigen Bassin umfunktioniert hat. Darin wabert eine hautfarbige Flüssigkeit. An der Decke hängende Leuchtröhren spiegeln sich im bewegten Nass. Wassergeräusche und ein irgendwie angenehmer Duft komplettieren das sinnliche Wahrnehmungserlebnis.  

Formal betrachtet präsentiert uns Pamela Rosenkranz eine strenge und ästhetisch ansprechende Komposition: Ein kontrastreiches Zusammenspiel der verschiedenen Räume (Innen und Außen) und Materialien (Licht und Flüssigkeit) sowie der Komplementärfarben Grün und Rot.  

Was man nicht sieht: Die in Wasser, Sedimenten und Schwebstoffen enthaltenen synthetischen Stoffe, die den Organismus von Menschen, Tieren und Pflanzen durchdringen. In einem kleinen Begleitheftchen hat Pamela Rosenkranz eine alphabetische Liste dieser Substanzen zusammengestellt: Abeel, Clidian, Diffasol, Isolon, Lapulin, Memiran, Questen, Ziamin, Zyrtium und viele mehr. Die Namen klingen irgendwie bedrohlich und die Vorstellung, dass da in der rosa Flüssigkeit wer weiß was drin ist, das – vielleicht durch Berührung oder Einatmen? – in unseren Körper gelangen könnte, fühlt sich nicht gut an. Zur Beruhigung: Diese Stoffe gibt es nicht. Es sind freie Erfindungen der Künstlerin.  

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Autor
Susanne Boecker

* 1961, Wuppertal, Deutschland

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Pamela Rosenkranz

* 1979, Uri, Schweiz

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Weitere Personen
Susanne Pfeffer

* 1973, Hagen, Deutschland

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Biennalen
Biennale Venedig

I – Italien

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