Band 233, 2015, 56. Biennale Venedig – All the World's Futures: Länderbeiträge Giardini, S. 312

Korea

MOON Kyungwon & JEON Joonho

The Ways of Folding Space & Flying

Kommissar: Sook-Kyung Lee.

Kurator: Sook-Kyung Lee.

Ort: Pavilion in den Giardini

Der koreanische Pavillon zeichnet sich durch eine transparente Struktur aus, die viele Künstler in ihre Arbeiten einbeziehen. So auch das Duo MOON Kyungwon & JEON Joonho, dessen multimediale Installation „The Ways of Folding Space & Flying“ zum Teil auch von außen zu sehen ist. Dennoch sollte man sich in die Schlange der Besucher einreihen und warten, bis man eingelassen wird: Erst im Innenraum entfalten die zahlreichen Projektionen ihre faszinierende Wirkung.  

Auf mehreren großen Projektionsflächen kann man eine weißgekleidete junge Frau bei verschiedenen Tätigkeiten beobachten. Ihr Lebensraum ist äußerst reduziert: Eine Art weißes Laboratorium, dessen Cleanness an Apple-Design erinnert, stellt alles zur Verfügung, was die Protagonistin braucht: Eine Ruhestätte, Trinkwasser, Schaltpulte sowie ein großes, im Boden versenkbares Laufrad. Außen glatt weiß wie alle Elemente im Raum, simuliert die innere Lauffläche des futuristischen Sportgeräts einen endlosen Waldweg. Diesen läuft die Frau mit roboterhafter Beharrlichkeit wieder und wieder entlang. Ab und zu ruht sie auf einer schmalen Bank oder trinkt Wasser aus bereitstehenden Gläsern. Oder sie blickt auf die Projektion eines Waldes, die offenbar durch eingesprühten Nadelduft belebt wird. Eine große blaue Kugel weckt ihr Interesse, sie berührt sie, und ihre Finger greifen in Wasser.  

In diesem puristischen Ambiente scheint die weiße Gestalt eine komplett reduzierte, ja fast entkörperlichte Existenz zu führen. Manchmal tritt sie vor ein großes Schaltpult und produziert mit leichten Wischbewegungen raumgreifende Effekte. Oder sie schaut sich selber dabei zu, wie sie aus der Virtualität in die Realität des Pavillons hinüberwechselt, wo sie auf einem geknüpften Teppich steht. Diesen kann der aufmerksame Betrachter auch tatsächlich im Raum entdecken.  

In der multimedialen Installation verschwimmen die Grenzen von Realität und Virtualität, von Jetztzeit und Zukunft in einer kreisförmigen Wiederholung. Fasziniert taucht man ein in diesen Kreislauf, in dem Natur und Technik, Starre und Bewegung verschmelzen und die Möglichkeiten des Menschen extrem beschränkt und zugleich unendlich erscheinen. Der Titel des Projekts „The Ways of Folding Space & Flying“ leitet sich von zwei koreanischen Begriffen ab: Das aus einer taoistischen Praxis stammende „chukjibeop“ bezeichnet eine hypothetische Methode zur Verkürzung physischer Distanz. „Bihaengsul“ bezieht sich auf eine übernatürliche Kraft, mit der man frei schweben, fliegen und durch Zeit und Raum reisen kann. SB  

 

http://www.koreanpavilion2015.com/  

Autor
Susanne Boecker

* 1961, Wuppertal, Deutschland

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Wichtige Personen in diesem Artikel
Jeon Joonho

* 1969, Busan, Rep. Korea (Süd)

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Moon Kyungwon

* 1969 , Seoul, Rep. Korea (Süd)

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Biennalen
Biennale Venedig

I – Italien

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